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Dither beim Export auf 16 Bit: Verzerrung, Rauschmodulation und Noise Shaping gemessen

Dither beim Export auf 16 Bit: Verzerrung, Rauschmodulation und Noise Shaping gemessen
Inhalt
  1. So wurde gemessen
  2. Ohne Dither: Der Fehler hängt vom Signal ab
  3. RPDF und TPDF: Verzerrung beseitigt, gleichmäßiges Rauschen nur mit TPDF
  4. Noise Shaping: weniger Rauschen unter 4 kHz, mehr Rauschen insgesamt
  5. Zweimal gedithert: Jeder Durchgang addiert Rauschen
  6. Was daraus für den Export folgt
  7. Einordnung und Grenzen
  8. Fragen und Antworten
  9. Quellen

FL Studio rechnet im Mixer mit 32-Bit-Gleitkommazahlen. Beim Export in eine 16-Bit-Datei muss jeder Abtastwert auf eine von 65.536 Stufen fallen. Eine Stufe, das LSB, entspricht 1/32.768 des Vollausschlags oder −90,3 dBFS. Je leiser das Signal, desto größer ist der Rundungsfehler im Verhältnis dazu: Bei einem Sinus mit −60 dBFS lag er 38 dB unter dem Ton, bei −96 dBFS darüber. Das Handbuch von FL Studio beschreibt Dither als Mittel, die Vorhersagbarkeit dieser Rundungsfehler aufzubrechen, und wendet es nur beim Export in 16-Bit-WAV und MP3 an.

Die Messung wandelt Testsignale mit ffmpeg von 32 Bit Gleitkomma auf 16 Bit: ohne Dither, mit rechteckig verteiltem Dither (RPDF), mit dreieckig verteiltem Dither (TPDF), mit hochpassgefiltertem TPDF und mit drei Verfahren mit Noise Shaping. Die Theorie dazu hat Robert A. Wannamaker 1997 in seiner Dissertation zusammengefasst: Ohne Dither kann die Rundung hörbare Verzerrung und Rauschmodulation erzeugen; RPDF-Dither macht den mittleren Fehler vom Signal unabhängig, TPDF-Dither zusätzlich seine Leistung. Pegel und Spitzen des Masters behandeln die Messungen True Peak nach dem Encoding und Clipper oder Limiter vor dem Export; diese Messung betrifft den letzten Schritt, die Wortbreite.

Zwei Liniendiagramme über dem Eingangswert von 0 bis 2 LSB. Links der mittlere Fehler: ohne Dither ein Sägezahn zwischen −0,5 und +0,5 LSB, mit RPDF und TPDF eine flache Linie bei 0. Rechts die Streuung: ohne Dither 0, mit RPDF Bögen zwischen 0 bei ganzzahligen und 0,5 LSB bei halben Eingangswerten, mit TPDF gleichbleibend 0,5 LSB. Darunter vier Kennzahlen: −3,7 dB Grundton bei −96 dBFS ohne Dither, 0 bis 0,50 LSB Streuung mit RPDF, 0,50 LSB mit TPDF und −17 dB Rauschen unter 4 kHz mit Lipshitz-Noise-Shaping
Mittlerer Fehler und Streuung beim Wandeln auf 16 Bit, ohne Dither, mit RPDF und mit TPDF.

So wurde gemessen

  • Umwandlung: ffmpeg 7.1.5 mit dem Filter aresample und den Optionen osf=s16 und dither_method, Eingang ein 32-Bit-Gleitkomma-WAV mit 44,1 kHz, Ausgang 16-Bit-PCM, danach zurückgelesen. Der Standardwert von dither_method ist 0, also kein Dither.
  • Routinen: ffmpeg lief mit der Option -cpuflags 0 und damit ohne die für den Prozessor optimierten Routinen. Auf dem ARM-Rechner der Messung verschoben diese Routinen RPDF und TPDF um ein halbes LSB, mehr dazu unter Einordnung und Grenzen.
  • Treppe aus Gleichwerten: 41 konstante Eingangswerte von 0 bis 2 LSB in Schritten von 0,05 LSB, je eine Sekunde lang. Für jede Stufe wurden über die mittleren 0,8 Sekunden der mittlere Fehler (Ausgabe minus Eingang) und die Streuung der Ausgabe als Standardabweichung berechnet. Hängt der mittlere Fehler vom Eingang ab, verzerrt die Umwandlung; hängt die Streuung davon ab, schwankt das Rauschen mit dem Signal.
  • Sinus: 1 kHz mit einem Spitzenpegel von −60 und −96 dBFS, zehn Sekunden lang, ausgewertet im Spektrum der mittleren acht Sekunden: der Grundton gegen seinen Sollwert, alle übrigen Anteile zwischen 20 Hz und 20 kHz und die Oberwellen 2 bis 19 gegen das Rauschen in ihrer Umgebung. Zum Vergleich lief dieselbe Auswertung an Frequenzen genau zwischen den Oberwellen.
  • Stille: zehn Sekunden digitale Null. Das Rauschen ist als Effektivwert bezogen auf den Vollausschlag angegeben, gesamt und in fünf Frequenzbändern.
  • Zweimal gedithert: Die geditherte Stille wurde verlustfrei als 32 Bit Gleitkomma gespeichert und mit demselben Verfahren ein zweites Mal auf 16 Bit gebracht.

Ohne Dither: Der Fehler hängt vom Signal ab

Ohne Dither rundet die Umwandlung jeden Wert auf die nächste Stufe. Der mittlere Fehler folgte dem Eingang deshalb wie ein Sägezahn zwischen −0,5 und +0,5 LSB, und die Streuung blieb bei null. Derselbe Eingang ergab immer dieselbe Ausgabe; der Fehler ist eine feste Funktion des Signals, und digitale Stille blieb digitale Null.

Am Sinus zeigt sich, was das für leise Stellen bedeutet. Bei −60 dBFS lagen alle übrigen Anteile zusammen 38,3 dB unter dem Grundton. Weil sich das Muster aus Ton und Rundung regelmäßig wiederholt, bildeten sie einzelne Linien statt gleichmäßigen Rauschens; die stärkste lag bei 17,5 kHz, 51,7 dB unter dem Grundton. Bei −96 dBFS reicht der Sinus nur knapp über eine halbe Stufe, und von ihm blieben kurze Pulse übrig: Der Grundton verlor 3,7 dB, die dritte Oberwelle bei 3 kHz lag nur 0,9 dB unter ihm, die fünfte 2,7 dB, und die übrigen Anteile hatten zusammen 2,9 dB mehr Leistung als der Grundton.

RPDF und TPDF: Verzerrung beseitigt, gleichmäßiges Rauschen nur mit TPDF

Verfahren Mittlerer Fehler Streuung Rauschen in digitaler Stille Grundton bei −96 dBFS, Abweichung
ohne Dither −0,50 bis +0,50 LSB 0 LSB keines −3,67 dB
RPDF −0,004 bis +0,004 LSB 0 bis 0,50 LSB keines +0,02 dB
TPDF −0,005 bis +0,009 LSB 0,49 bis 0,50 LSB 0,50 LSB (−96,4 dBFS) −0,04 dB
TPDF, hochpassgefiltert −0,009 bis +0,010 LSB 0,48 bis 0,52 LSB 0,48 LSB (−96,6 dBFS) −0,05 dB

Mit RPDF-Dither lag der mittlere Fehler bei jedem Eingangswert höchstens 0,004 LSB neben null: Die Verzerrung war verschwunden. Die Streuung aber folgte dem Eingang, von null bei ganzzahligen Werten bis 0,5 LSB genau zwischen zwei Stufen. Das Rauschen schwankt damit mit dem Signal, und digitale Stille blieb ganz ohne Rauschen. Das entspricht der Theorie: Rechteckig verteilter Dither macht nur den Mittelwert des Fehlers vom Signal unabhängig, nicht seine Leistung.

Mit TPDF-Dither lag die Streuung bei jedem Eingangswert zwischen 0,49 und 0,50 LSB. Nach Wannamaker erhöht dreieckig verteilter Dither die Fehlerleistung von allen Dither-Arten, die im Signal verbleiben und Verzerrung wie Rauschmodulation beseitigen, am wenigsten: auf ein Viertel des Quadrats einer Stufe, als Effektivwert 0,5 LSB oder −96,3 dBFS. In der Stille wurden 0,50 LSB und −96,4 dBFS gemessen, gleichmäßig über alle Frequenzen verteilt. Die hochpassgefilterte Variante rauschte insgesamt fast gleich stark, unter 4 kHz aber 5,3 dB leiser.

Am Sinus hob sich bei keinem Dither-Verfahren eine Oberwelle aus dem Rauschen ab: An den Oberwellen lag der Pegel höchstens 4,6 dB über dem Rauschen der Umgebung, an Kontrollfrequenzen zwischen den Oberwellen bis zu 4,2 dB. Der Grundton wich um höchstens 0,05 dB vom Sollwert ab, auch bei −96 dBFS. Dort hatte das Rauschen zwischen 20 Hz und 20 kHz zwar mehr Leistung als der Ton, es verteilt sich aber über alle Frequenzen, während der Ton auf einer einzigen liegt.

Noise Shaping: weniger Rauschen unter 4 kHz, mehr Rauschen insgesamt

Verfahren Rauschen gesamt 20 Hz bis 4 kHz 4 bis 10 kHz 10 bis 16 kHz 16 bis 20 kHz 20 bis 22 kHz
TPDF −96,4 dBFS −103,8 dBFS −102,0 dBFS −102,1 dBFS −103,7 dBFS −106,5 dBFS
TPDF, hochpassgefiltert −96,6 dBFS −109,2 dBFS −105,9 dBFS −102,0 dBFS −101,4 dBFS −103,6 dBFS
Lipshitz −84,1 dBFS −120,7 dBFS −104,9 dBFS −97,2 dBFS −87,3 dBFS −87,4 dBFS
F-weighted −77,8 dBFS −119,9 dBFS −106,6 dBFS −99,2 dBFS −82,0 dBFS −80,0 dBFS
Shibata −72,1 dBFS −113,6 dBFS −116,2 dBFS −99,8 dBFS −73,8 dBFS −77,0 dBFS

Noise Shaping führt den Rundungsfehler über ein Filter in die Umwandlung zurück und formt so sein Spektrum. Wannamaker nennt als Ziel, den größten Teil der Fehlerleistung in hohe Frequenzbänder zu legen, in denen das Gehör verhältnismäßig unempfindlich ist. Gegenüber TPDF senkten die drei Verfahren von ffmpeg das Rauschen unter 4 kHz um 16,8 dB (Lipshitz), 16,0 dB (F-weighted) und 9,8 dB (Shibata). Dafür stieg das Gesamtrauschen um 12,3, 18,5 und 24,3 dB, fast vollständig über 16 kHz: Mit Shibata lag es zwischen 16 und 20 kHz bei −73,8 dBFS, 29,9 dB über TPDF. Der mittlere Fehler blieb vom Eingang unabhängig, die Streuung lag zwischen 2,01 und 2,08 LSB (Lipshitz), 4,11 und 4,29 LSB (F-weighted) sowie 7,95 und 8,31 LSB (Shibata).

Auch FL Studio verwendet laut Handbuch ein geformtes Dither, das den größten Teil des Rauschens über 10 kHz verschiebt. Welches Filter dahintersteht, nennt das Handbuch nicht; die Werte von ffmpeg zeigen, in welcher Größenordnung sich solche Verfahren unterscheiden können.

Zweimal gedithert: Jeder Durchgang addiert Rauschen

Laut Handbuch von FL Studio gehört Dither nur einmal auf eine 16-Bit-Datei, und zwar beim letzten Rendern, falls überhaupt. Die Messung zeigt, was ein zweiter Durchgang kostet: Wurde die geditherte Stille erneut gedithert, stieg das Rauschen mit TPDF, Lipshitz und Shibata um jeweils 3,0 dB, auf −93,4, −81,1 und −69,1 dBFS. Das gilt für eine unabhängige zweite Rauschfolge. ffmpeg beginnt seine Rauschfolge bei jedem Lauf gleich; lagen beide Folgen deckungsgleich übereinander, stieg das Rauschen um 6,0 dB (TPDF), 5,7 dB (Lipshitz) und 5,2 dB (Shibata).

Was daraus für den Export folgt

  • Bei einem Export mit 24 Bit oder 32 Bit Gleitkomma, wie im Mastering-Tutorial für FL Studio, wendet FL Studio keinen Dither an. Eine 24-Bit-Stufe ist 256-mal kleiner als eine 16-Bit-Stufe; TPDF-Rauschen läge dort rechnerisch bei −144,5 dBFS.
  • Für eine 16-Bit-Datei beseitigt TPDF-Dither Verzerrung und Rauschmodulation mit dem geringsten zusätzlichen Rauschen, gemessen −96,4 dBFS. Ohne Dither lag bei −96 dBFS die dritte Oberwelle nur 0,9 dB unter dem Grundton; mit RPDF schwankte das Rauschen mit dem Signal zwischen null und 0,5 LSB.
  • Noise Shaping tauscht weniger Rauschen unter 4 kHz gegen mehr Rauschen insgesamt. In der Messung kostete das 12 bis 24 dB, fast vollständig über 16 kHz.
  • Dither gehört nur einmal in die Kette: Jeder weitere Durchgang erhöhte das Rauschen um 3 dB, mit deckungsgleicher Rauschfolge um bis zu 6 dB.
  • Bei Umwandlungen auf 16 Bit wendet ffmpeg ohne Angabe keinen Dither an; aresample=osf=s16:dither_method=triangular schaltet TPDF ein.

Einordnung und Grenzen

Gemessen wurde die Umwandlung in ffmpeg, nicht der Export von FL Studio; dessen geformtes Dither kann andere Werte liefern. Die Testsignale waren Gleichwerte, Sinustöne und Stille, ein Hörtest war nicht Teil der Messung. Wie hörbar Verzerrung bei −96 dBFS oder ein Gesamtrauschen von −72 dBFS sind, hängt von Material, Abhörlautstärke und Wiedergabekette ab. Mit den optimierten Routinen von ffmpeg lieferten RPDF und TPDF auf dem ARM-Rechner der Messung (aarch64) einen mittleren Fehler von −0,50 LSB statt null, also einen Gleichanteil von −96,3 dBFS, und mit RPDF rauschte digitale Stille mit 0,50 LSB. Mit -cpuflags 0 verschwand der Versatz; die Verfahren mit Noise Shaping lieferten in beiden Fällen dieselben Werte.

Fragen und Antworten

Lohnt sich Dither schon beim Export auf 24 Bit?

Kaum. TPDF-Rauschen läge bei 24 Bit rechnerisch bei −144,5 dBFS und damit weit unter dem Eigenrauschen üblicher Wiedergabeketten; FL Studio wendet dort auch keinen Dither an. Entscheidend ist der eine Dither-Schritt, wenn aus dieser Datei später die 16-Bit-Fassung entsteht.

Warum ist RPDF gerade bei Ausklängen und Fade-outs problematisch?

Weil das Signal dort in den Bereich weniger Stufen fällt, in dem die Streuung von RPDF mit dem Eingang schwankt. In der Messung lag sie bei ganzzahligen Werten bei null und genau zwischen zwei Stufen bei 0,5 LSB. Ein langsam ausklingender Hall zieht deshalb ein Rauschen hinter sich her, das mit dem Signal kommt und geht, und sobald das Signal digitale Stille erreicht, verstummt auch das Rauschen.

Diese Rauschmodulation ist genau das, was TPDF beseitigt: Dort lag die Streuung bei jedem Eingangswert zwischen 0,49 und 0,50 LSB, und auch digitale Stille trug ein gleichmäßiges Rauschen von −96,4 dBFS. Der Preis ist ein Grundrauschen, das auch in Pausen bleibt, und ein gleichbleibendes Rauschen fällt in der Regel weniger auf als eines, das mit dem Signal schwankt.

Was bedeutet „nur einmal dithern“, wenn der Master danach noch bearbeitet wird?

Jede Bearbeitung einer 16-Bit-Datei, ob Pegeländerung, Limiter oder Wandlung der Abtastrate, erzeugt Werte zwischen den Stufen und verlangt beim Speichern eine neue Rundung auf 16 Bit. Wird dabei wieder gedithert, liegt eine zweite Rauschfolge auf der ersten; in der Messung stieg das Rauschen damit um 3,0 dB, bei deckungsgleicher Folge in ffmpeg um bis zu 6,0 dB. Ohne Dither kehren die signalabhängigen Fehler zurück, die der erste Durchgang beseitigt hatte.

Die Regel lässt sich deshalb nur einhalten, wenn alle Zwischenstufen mit größerer Wortbreite arbeiten:

  • Der Mixdown für das Mastering wird mit 24 Bit oder 32 Bit Gleitkomma exportiert; dabei wendet FL Studio laut Handbuch keinen Dither an.
  • Alle weiteren Schritte laufen auf dieser Datei.
  • Der Dither kommt erst beim letzten Schritt hinzu, der die 16-Bit-Datei erzeugt, in ffmpeg etwa mit aresample=osf=s16:dither_method=triangular.

Liegt nur noch eine 16-Bit-Fassung vor, bleibt die Wahl zwischen zwei Übeln. Das zusätzliche Rauschen von 3 dB ist dabei in der Regel das kleinere.

Lukas Wojcik

Lukas Wojcik

Systems architect and technology enthusiast specializing in scalable tracking solutions, GMP Stack (GA4 & GTM), and robust backend architectures. Advocate for clean code and privacy-first design.

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