{"id":18956,"date":"2026-09-19T15:50:00","date_gmt":"2026-09-19T13:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lukaswojcik.com\/blog\/?p=18956"},"modified":"2026-09-19T15:50:00","modified_gmt":"2026-09-19T13:50:00","slug":"true-peak-nach-dem-encoding-aac-mp3-ogg-vorbis-opus-gemessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lukaswojcik.com\/blog\/de\/music-production-de\/true-peak-nach-dem-encoding-aac-mp3-ogg-vorbis-opus-gemessen\/","title":{"rendered":"True Peak nach dem Encoding: Wie stark AAC, MP3, Ogg Vorbis und Opus die Spitzen eines Masters anheben, gemessen"},"content":{"rendered":"<p>Ein Master, der mit \u22121 dBTP abgegeben wird, kommt bei den H\u00f6rerinnen und H\u00f6rern fast nie in dieser Form an. Streamingdienste spielen verlustbehaftet kodierte Fassungen ab, und beim Kodieren und Dekodieren ver\u00e4ndert sich die Wellenform. Danach k\u00f6nnen die Spitzen \u00fcber dem Wert des Masters liegen. Wie weit, h\u00e4ngt vom Codec und von der Bitrate ab, vor allem aber vom Master selbst.<\/p>\n<p>F\u00fcr diesen Artikel wurden zwei synthetische Mixe zu je vier Mastern verarbeitet und mit ffmpeg nach AAC, MP3, Ogg Vorbis und Opus kodiert, zusammen mit den Kontrollen 88 Kodierungen. Gemessen wurde der True Peak nach ITU-R BS.1770-5 vor und nach dem Kodieren. Das wichtigste Ergebnis: Stark begrenzte Master mit \u22129 LUFS und \u22121 dBTP verlieren meist bis zu einem Dezibel ihres Abstands, dynamischere Master mit \u221214 LUFS bleiben dagegen fast unver\u00e4ndert.<\/p>\n<figure class=\"lw-diagram\">\n<img src=\"https:\/\/www.lukaswojcik.com\/blog\/wp-content\/uploads\/diagrams\/true-peak-encoding-de.png\" width=\"1120\" height=\"580\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\"\n     alt=\"Zwei Punktdiagramme mit dem True Peak nach dem Kodieren f\u00fcr elf Codec-Einstellungen: links ein Master mit \u22129 LUFS und \u22121 dBTP, dessen Werte zwischen \u22121,39 und \u22120,07 dBTP liegen, bis auf ein Einzelereignis mit AAC 256 bei +1,37 dBTP, rechts ein Master mit \u221214 LUFS, dessen Werte zwischen \u22122,31 und \u22120,84 dBTP liegen, darunter vier Kennzahlen\"><figcaption>True Peak nach dem Kodieren f\u00fcr zwei Master und zwei Mixe, gemessen mit ffmpeg nach ITU-R BS.1770-5.<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Was True Peak misst<\/h2>\n<p>Ein digitales Signal besteht aus Abtastwerten, das Signal nach dem Digital-Analog-Wandler aus einer durchgehenden Kurve. Zwischen zwei Abtastwerten kann diese Kurve h\u00f6her liegen als beide Werte; solche Spitzen hei\u00dfen Inter-Sample-Peaks. ITU-R BS.1770-5 sch\u00e4tzt den H\u00f6chstwert der Kurve, indem das Signal vierfach \u00fcberabgetastet und gefiltert wird. Das Ergebnis hei\u00dft True Peak und wird in dBTP angegeben. Auch diese Messung liegt knapp unter dem wahren Wert: Laut EBU Tech 3343 kann ein vierfach \u00fcberabtastender Messer bei 48 kHz um etwa 0,5 dB zu niedrig anzeigen, deshalb gen\u00fcgt dort 1 dB Abstand zu 0 dBFS.<\/p>\n<p>Ein Limiter, der nur die Abtastwerte begrenzt, h\u00e4lt seine Grenze also nicht zwingend im True Peak ein. Der Unterschied zeigte sich schon beim Mastern: Um \u22129 LUFS mit h\u00f6chstens \u22121 dBTP zu erreichen, musste die Grenze f\u00fcr die Abtastwerte bei \u22121,59 dBFS (Mix) und \u22122,22 dBFS (heller Mix) liegen.<\/p>\n<h2>Welche Codecs die Streamingdienste ausliefern<\/h2>\n<p>Die gro\u00dfen Dienste streamen ihre Standardqualit\u00e4t verlustbehaftet und bieten zus\u00e4tzlich verlustfreie Stufen an:<\/p>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Dienst<\/th>\n<th>verlustbehaftet<\/th>\n<th>verlustfrei<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Spotify<\/td>\n<td>App: Stufen mit etwa 24, 96, 160 und 320 kbit\/s, laut Entwicklerdokumentation f\u00fcr die meisten Titel Ogg Vorbis; Web-Player AAC 128 kbit\/s (Free) und 256 kbit\/s (Premium)<\/td>\n<td>FLAC bis 24 Bit\/44,1 kHz (Premium)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Apple Music<\/td>\n<td>AAC, laut Apple Digital Masters mit 256 kbit\/s<\/td>\n<td>Lossless bis 24 Bit\/192 kHz<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>YouTube Music<\/td>\n<td>AAC und Opus mit h\u00f6chstens 48, 128 oder 256 kbit\/s<\/td>\n<td>\u2013<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Amazon Music<\/td>\n<td>Opus mit 48, 192 oder 320 kbit\/s (SD)<\/td>\n<td>FLAC (HD und Ultra HD)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Deezer<\/td>\n<td>MP3 mit 64, 128 oder 320 kbit\/s<\/td>\n<td>FLAC mit 1411 kbit\/s<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>So wurde gemessen<\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Material:<\/strong> zwei synthetische Mixe von 32 Sekunden bei 120 BPM, in Python erzeugt. Der \u201eMix\u201c besteht aus Kick, Snare, Hi-Hats, Bass, Fl\u00e4chen und einem Lead, der \u201ehelle Mix\u201c hat lautere Hi-Hats und Lead sowie Fl\u00e4chen bis 12 kHz. Beide liefen durch einen Bus-Kompressor.<\/li>\n<li><strong>Master:<\/strong> vier Fassungen je Mix mit dem Limiter alimiter von ffmpeg. A: \u22128 LUFS mit einer Grenze von 0 dBFS f\u00fcr die Abtastwerte. B: \u22129 LUFS mit h\u00f6chstens \u22121 dBTP. C: \u22129 LUFS mit h\u00f6chstens \u22122 dBTP. D: \u221214 LUFS mit h\u00f6chstens \u22121 dBTP. Verst\u00e4rkung und Grenze wurden nachgeregelt, bis Lautheit und True Peak stimmten.<\/li>\n<li><strong>Kodierung:<\/strong> ffmpeg 7.1.5 mit den Encodern aac (128 und 256 kbit\/s), libmp3lame (128 und 320 kbit\/s), libvorbis (96, 160 und 320 kbit\/s) und libopus (128 und 256 kbit\/s). Dekodiert wurde in 32-Bit-Gleitkomma, damit Werte \u00fcber 0 dBFS erhalten bleiben.<\/li>\n<li><strong>Kontrollen:<\/strong> verlustfreies FLAC, das nichts ver\u00e4ndern darf, und reines Resampling auf 48 kHz, weil Opus ausschlie\u00dflich mit 48 kHz arbeitet.<\/li>\n<li><strong>Messung:<\/strong> True Peak nach Anhang 2 von ITU-R BS.1770-5 mit dem 48-Tap-Filter bei vierfacher \u00dcberabtastung, Lautheit mit dem Filter ebur128 von ffmpeg.<\/li>\n<li><strong>Gegenprobe:<\/strong> alle Dateien zus\u00e4tzlich mit 16-facher \u00dcberabtastung durch den soxr-Resampler von ffmpeg.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Messung hat Grenzen. Die Dienste arbeiten mit eigenen Encodern und Einstellungen, Apple etwa mit einem eigenen AAC-Encoder. Das Material ist synthetisch, und je Variante gibt es nur ein St\u00fcck. Die Zahlen zeigen deshalb Gr\u00f6\u00dfenordnungen und Zusammenh\u00e4nge, aber keine Garantie f\u00fcr einen bestimmten Dienst.<\/p>\n<h2>Laute Master mit \u22121 dBTP verlieren meist bis zu einem Dezibel<\/h2>\n<p>Die Master B lagen vor dem Kodieren bei \u22121,02 dBTP (Mix) und \u22121,05 dBTP (heller Mix). Nach dem Kodieren sah es so aus:<\/p>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Codec<\/th>\n<th>Mix nachher<\/th>\n<th>Anstieg<\/th>\n<th>heller Mix nachher<\/th>\n<th>Anstieg<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>FLAC (Kontrolle)<\/td>\n<td>\u22121,02 dBTP<\/td>\n<td>\u00b10,00 dB<\/td>\n<td>\u22121,05 dBTP<\/td>\n<td>\u00b10,00 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>nur Resampling auf 48 kHz<\/td>\n<td>\u22120,85 dBTP<\/td>\n<td>+0,18 dB<\/td>\n<td>\u22120,76 dBTP<\/td>\n<td>+0,29 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>AAC 128 kbit\/s<\/td>\n<td>\u22120,21 dBTP<\/td>\n<td>+0,81 dB<\/td>\n<td>\u22120,07 dBTP<\/td>\n<td>+0,98 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>AAC 256 kbit\/s<\/td>\n<td>\u22120,70 dBTP<\/td>\n<td>+0,32 dB<\/td>\n<td>+1,37 dBTP<\/td>\n<td>+2,42 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>MP3 128 kbit\/s<\/td>\n<td>\u22121,09 dBTP<\/td>\n<td>\u22120,07 dB<\/td>\n<td>\u22121,39 dBTP<\/td>\n<td>\u22120,34 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>MP3 320 kbit\/s<\/td>\n<td>\u22120,89 dBTP<\/td>\n<td>+0,13 dB<\/td>\n<td>\u22120,74 dBTP<\/td>\n<td>+0,31 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ogg Vorbis 96 kbit\/s<\/td>\n<td>\u22120,43 dBTP<\/td>\n<td>+0,59 dB<\/td>\n<td>\u22121,00 dBTP<\/td>\n<td>+0,05 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ogg Vorbis 160 kbit\/s<\/td>\n<td>\u22120,57 dBTP<\/td>\n<td>+0,45 dB<\/td>\n<td>\u22120,31 dBTP<\/td>\n<td>+0,74 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ogg Vorbis 320 kbit\/s<\/td>\n<td>\u22121,07 dBTP<\/td>\n<td>\u22120,05 dB<\/td>\n<td>\u22120,98 dBTP<\/td>\n<td>+0,07 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Opus 128 kbit\/s<\/td>\n<td>\u22120,49 dBTP<\/td>\n<td>+0,53 dB<\/td>\n<td>\u22120,65 dBTP<\/td>\n<td>+0,40 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Opus 256 kbit\/s<\/td>\n<td>\u22120,65 dBTP<\/td>\n<td>+0,37 dB<\/td>\n<td>\u22120,75 dBTP<\/td>\n<td>+0,30 dB<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Nur drei der 18 verlustbehafteten Kodierungen blieben beim Ausgangswert oder darunter: MP3 128 in beiden Mixen und Ogg Vorbis 320 im Mix. Abgesehen von einem Einzelereignis stieg der True Peak mit AAC 128 am st\u00e4rksten, auf \u22120,21 und \u22120,07 dBTP. Ogg Vorbis 160 und Opus 128 hoben die Spitzen in beiden Mixen um 0,40 bis 0,74 dB an. Die Kontrolle mit reinem Resampling auf 48 kHz zeigte einen Anstieg um 0,18 und 0,29 dB, der sich in der Gegenprobe weiter unten als Messeffekt herausstellt.<\/p>\n<p>\u00dcber 0 dBTP kam eine einzige Kodierung: AAC 256 hob im hellen Mix eine einzelne Stelle bei 30,5 Sekunden auf +1,37 dBTP. Die sekundenweise gemessenen Spitzen derselben Datei lagen im Median bei \u22121,33 dBTP. Ein solches Einzelereignis reicht f\u00fcr eine \u00dcbersteuerung im Player, stammt aber vom AAC-Encoder von ffmpeg und l\u00e4sst sich nicht auf den Encoder von Apple \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>MP3 mit 128 kbit\/s senkte die Spitzen dagegen und kostete zugleich 0,4 bis 0,5 LU Lautheit; bei allen anderen Kodierungen \u00e4nderte sich die Lautheit um h\u00f6chstens 0,2 LU. Am abgeschnittenen Hochton allein liegt das nicht. Eine Spektralanalyse der dekodierten Dateien zeigt, dass MP3 128 und Ogg Vorbis 96 oberhalb von 17 kHz praktisch nichts mehr enthalten und AAC 128 oberhalb von 19 kHz, und gerade AAC 128 hob die Spitzen am st\u00e4rksten an.<\/p>\n<h2>Dynamischere Master mit \u221214 LUFS bleiben fast unver\u00e4ndert<\/h2>\n<p>Die Master D mit \u221214 LUFS brauchten kaum Begrenzung. Vor dem Kodieren lagen sie bei \u22121,51 dBTP (Mix) und \u22121,05 dBTP (heller Mix). Im Mix senkten neun der elf Kodierungen den True Peak; der h\u00f6chste Wert danach war \u22121,48 dBTP mit Ogg Vorbis 320. Im hellen Mix stiegen Opus 128 und MP3 320 am st\u00e4rksten, um 0,21 und 0,19 dB auf \u22120,84 und \u22120,86 dBTP; alle anderen Kodierungen blieben bei \u22120,97 dBTP oder darunter.<\/p>\n<p>Keine der 18 verlustbehafteten Kodierungen dieser beiden Master kam damit \u00fcber \u22120,84 dBTP. Der Unterschied zu den Mastern B liegt in der Begrenzung: Ein Limiter, der viele Spitzen auf dieselbe H\u00f6he dr\u00fcckt, erzeugt eine Wellenform, bei der jede Ver\u00e4nderung durch den Codec sofort \u00fcber die Grenze hinausreicht.<\/p>\n<h2>Mit \u22122 dBTP bleibt auch ein lauter Master deutlich unter 0 dBTP<\/h2>\n<p>Der Master C des Mixes hatte \u22129 LUFS bei \u22122,05 dBTP. Nach dem Kodieren lag der h\u00f6chste Wert bei \u22120,89 dBTP mit AAC 128, alle anderen Kodierungen blieben bei \u22121,57 dBTP oder darunter. Genau diesen Abstand empfiehlt Spotify f\u00fcr Master, die lauter als \u221214 LUFS sind. Beim hellen Mix lie\u00df sich dieses Ziel mit dem verwendeten Limiter nicht erreichen: Selbst mit 40 dB Verst\u00e4rkung blieb die Lautheit bei \u22129,2 LUFS, der Master ging deshalb nicht in die Auswertung ein.<\/p>\n<h2>Ein Master mit 0 dBFS Sample Peak liegt schon vorher \u00fcber 0 dBTP<\/h2>\n<p>Die Master A waren auf \u22128 LUFS gebracht, mit einer Grenze von 0 dBFS f\u00fcr die Abtastwerte. Der True Peak dieser Master lag schon vor dem Kodieren bei +0,37 dBTP (Mix) und +1,03 dBTP (heller Mix). Nach dem Kodieren stieg er auf bis zu +2,29 dBTP (AAC 128, Mix) und +2,23 dBTP (AAC 256, heller Mix). In den dekodierten Dateien lagen je nach Codec zwischen 14 und 411 Abtastwerte \u00fcber 0 dBFS, am meisten nach Opus 128 im hellen Mix.<\/p>\n<p>In 32-Bit-Gleitkomma bleiben solche Werte erhalten. AES TD1008 weist aber darauf hin, dass Player mit Festkomma-Decodern intern \u00fcbersteuern k\u00f6nnen und dass Betriebssysteme wie Windows solche \u00dcberschwinger mit eingebauten Limitern um bis zu 3 dB abregeln.<\/p>\n<h2>Gegenprobe: 16-fache \u00dcberabtastung zeigt bis zu 0,5 dB mehr<\/h2>\n<p>Die vierfache \u00dcberabtastung nach BS.1770 ist ein Kompromiss: Zwischen den berechneten Zwischenwerten kann die Kurve noch h\u00f6her liegen. Deshalb wurden alle Dateien ein zweites Mal gemessen, mit 16-facher \u00dcberabtastung durch den soxr-Resampler von ffmpeg und dem Spitzenwert aus dem Filter astats.<\/p>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Wert<\/th>\n<th>BS.1770, 4-fach<\/th>\n<th>Gegenprobe, 16-fach<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Master B, Mix, vor dem Kodieren<\/td>\n<td>\u22121,02 dBTP<\/td>\n<td>\u22120,80 dBTP<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Master B, heller Mix, vor dem Kodieren<\/td>\n<td>\u22121,05 dBTP<\/td>\n<td>\u22120,54 dBTP<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>nur Resampling auf 48 kHz, Anstieg (Mix \/ heller Mix)<\/td>\n<td>+0,18 \/ +0,29 dB<\/td>\n<td>\u22120,01 \/ \u00b10,00 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Master B, Kodierungen \u00fcber 0 dBTP<\/td>\n<td>1 (AAC 256)<\/td>\n<td>2 (AAC 256, Ogg Vorbis 160)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Master C, Mix, h\u00f6chster Wert nach dem Kodieren<\/td>\n<td>\u22120,89 dBTP<\/td>\n<td>\u22120,77 dBTP<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Master D, h\u00f6chster Wert nach dem Kodieren<\/td>\n<td>\u22120,84 dBTP<\/td>\n<td>\u22120,84 dBTP<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Master D, Mix, vor dem Kodieren<\/td>\n<td>\u22121,51 dBTP<\/td>\n<td>\u22121,66 dBTP<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Master mit \u22121 dBTP lagen in der feineren Messung also nur bei \u22120,80 und \u22120,54 dBTP. Das entspricht der Untersch\u00e4tzung um etwa 0,5 dB, die EBU Tech 3343 f\u00fcr vierfach \u00fcberabtastende Messer nennt. Im hellen Mix ging nach dem Kodieren neben AAC 256 auch Ogg Vorbis 160 \u00fcber 0 dBTP, auf +0,21 dBTP. Der Anstieg durch reines Resampling verschwand dagegen: In der Gegenprobe blieben die Spitzen gleich, die vierfache Messung traf sie nach dem Umrechnen auf 48 kHz nur genauer. Beim Master D des Mixes zeigte die vierfache Messung sogar 0,15 dB mehr als die Gegenprobe.<\/p>\n<p>Die Reihenfolge der Codecs blieb im Wesentlichen erhalten, die einzelnen Anstiege verschoben sich aber um bis zu ein halbes Dezibel. F\u00fcr die Aussagen zu den Mastern D und C \u00e4ndert die Gegenprobe wenig, f\u00fcr die Master B versch\u00e4rft sie das Ergebnis.<\/p>\n<h2>Warum die Spitzen steigen<\/h2>\n<p>AES TD1008 nennt mehrere Ursachen. Ein Codec kann am Ausgang des Decoders h\u00f6here Spitzen liefern, als am Eingang des Encoders anlagen. Hohe Bitraten um 256 kbit\/s kommen laut dem Dokument teils mit einer Limiter-Grenze von \u22120,5 dBTP aus, bei sinkender Bitrate w\u00e4chst der \u00dcberschwinger aber meist, sodass die Grenze unter die empfohlenen \u22121,0 dBTP r\u00fccken muss.<\/p>\n<p>Filter tragen ebenfalls bei, weil sie Energie aus dem Signal nehmen und nicht linearphasige Filter zus\u00e4tzlich die Laufzeiten verschieben. Das Dokument rechnet ein Beispiel vor: Wird aus einer Rechteckwelle jeder Oberton herausgefiltert, bleibt die Grundwelle \u00fcbrig, und deren Spitze liegt 2,1 dB \u00fcber der des Rechtecks. Abtastratenwandler ver\u00e4ndern die Abtastwerte ebenfalls. Entfernen sie beim Herunterrechnen Energie, entstehen \u00dcberschwinger, die sich laut dem Dokument zu denen des Codecs addieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Messung st\u00fctzt die Regel zur Bitrate nur teilweise. Opus 128 hob die Spitzen in beiden Mixen st\u00e4rker an als Opus 256, AAC 128 im Mix st\u00e4rker als AAC 256. Bei MP3 war es umgekehrt, und im hellen Mix lag Ogg Vorbis 160 h\u00f6her als Ogg Vorbis 96. Den st\u00e4rksten Einfluss hatte, wie dicht der Master begrenzt war.<\/p>\n<h2>Was Dienste und Normen empfehlen<\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Spotify<\/strong> empfiehlt f\u00fcr Master \u221214 LUFS integriert und einen True Peak unter \u22121 dB. F\u00fcr Master, die lauter als \u221214 LUFS sind, empfiehlt die Hilfeseite einen True Peak unter \u22122 dB, weil lautere Titel beim Kodieren anf\u00e4lliger f\u00fcr zus\u00e4tzliche Verzerrungen sind. Leise Master hebt Spotify nur so weit an, dass 1 dB Abstand f\u00fcr die verlustbehafteten Formate bleibt.<\/li>\n<li><strong>AES TD1008<\/strong> empfiehlt f\u00fcr alle Inhalte h\u00f6chstens \u22121 dBTP am Eingang des Codecs verlustbehaftet kodierter Streams.<\/li>\n<li><strong>EBU R 128<\/strong> legt \u22121 dBTP f\u00fcr die Produktion fest und weist darauf hin, dass f\u00fcr Verteilsysteme mit Datenreduktion niedrigere Werte gelten k\u00f6nnen. EBU Tech 3343 nennt \u22122 dBTP f\u00fcr MPEG-1 Layer 2 und Dolby AC-3.<\/li>\n<li><strong>Apple<\/strong> empfiehlt in Apple Digital Masters mindestens 1 dB Abstand und r\u00e4t, mit dem Werkzeug afclip die kodierte Datei zu pr\u00fcfen, weil Pegel ohne \u00dcbersteuerung im PCM-Master nach dem Kodieren trotzdem \u00fcbersteuern k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Einordnung<\/h2>\n<p>F\u00fcr Master um \u221214 LUFS reicht \u22121 dBTP: In dieser Messung kam keine Kodierung \u00fcber \u22120,84 dBTP, im Mix senkten neun von elf die Spitzen sogar. F\u00fcr laute, stark begrenzte Master st\u00fctzt die Messung die Empfehlung von Spotify. Mit \u22121 dBTP r\u00fcckten f\u00fcnf Kodierungen auf weniger als ein halbes Dezibel an 0 dBTP heran und eine ging dar\u00fcber, in der Gegenprobe zwei. Mit \u22122 dBTP lag der h\u00f6chste Wert bei \u22120,89 dBTP, in der Gegenprobe bei \u22120,77 dBTP. Weil ein Messer nach BS.1770 die Spitzen um bis zu ein halbes Dezibel untersch\u00e4tzen kann, schafft \u22122 dBTP bei dicht begrenzten Mastern den Puffer, den \u22121 dBTP in dieser Messung nicht bot. Eine Grenze von 0 dBFS f\u00fcr die Abtastwerte ergibt dagegen keinen sicheren Master, weil der True Peak schon vor dem Kodieren \u00fcber 0 dBTP liegt.<\/p>\n<p>Ob ein bestimmter Master genug Abstand hat, zeigt am zuverl\u00e4ssigsten eine kodierte Probe, etwa eine mit ffmpeg erzeugte AAC- oder Opus-Datei. Das <a href=\"https:\/\/www.lukaswojcik.com\/blog\/de\/werkzeuge\/lufs-true-peak-loudness-meter\/\">LUFS- und True-Peak-Messger\u00e4t<\/a> liest solche Dateien \u00fcber den Decoder des Browsers und misst ihren True Peak direkt, ohne dass die Datei das Ger\u00e4t verl\u00e4sst. Weil Spotify laute Master ohnehin leiser stellt, bringt zus\u00e4tzliche Lautheit auf Kosten des Abstands dort keinen Vorteil.<\/p>\n<div class=\"lw-quellen\">\n<h2>Quellen<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.itu.int\/rec\/R-REC-BS.1770\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ITU-R BS.1770: Algorithms to measure audio programme loudness and true-peak audio level<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/aes2.org\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/20210924_TD1008_v3.13.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">AES TD1008: Recommendations for Loudness of Internet Audio Streaming and On-Demand Distribution<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/tech.ebu.ch\/docs\/r\/r128.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">EBU R 128: Loudness normalisation and permitted maximum level of audio signals<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/tech.ebu.ch\/docs\/tech\/tech3343.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">EBU Tech 3343: Guidelines for Production of Programmes in accordance with R 128<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/support.spotify.com\/us\/artists\/article\/loudness-normalization\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Loudness normalization \u2013 Spotify for Artists<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/support.spotify.com\/us\/article\/audio-quality\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Audio quality \u2013 Spotify<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/developer.spotify.com\/documentation\/commercial-hardware\/implementation\/guides\/media-delivery\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Media Delivery \u2013 Spotify for Developers<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.apple.com\/apple-music\/apple-digital-masters\/docs\/apple-digital-masters.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Apple Digital Masters<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.apple.com\/apple-music\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Apple Music<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/support.google.com\/youtubemusic\/answer\/9076559\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Audio quality settings \u2013 YouTube Music Help<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/developer.amazon.com\/docs\/music\/audio-formats.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Audio Formats \u2013 Amazon Music Developer<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/support.deezer.com\/hc\/en-gb\/articles\/115003865685-Deezer-Audio-Quality\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Deezer Audio Quality<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/ffmpeg.org\/ffmpeg-codecs.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">FFmpeg Codecs Documentation<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Master mit \u22121 dBTP kommt beim Streaming selten in dieser Form an: Beim Kodieren nach AAC, MP3, Ogg Vorbis oder Opus k\u00f6nnen seine Spitzen steigen. In 88 Kodierungen mit ffmpeg verloren stark begrenzte Master mit \u22129 LUFS und \u22121 dBTP bis zu 0,98 dB Abstand, eine AAC-Datei ging an einer Stelle \u00fcber 0 dBTP. Dynamischere Master mit \u221214 LUFS blieben bei h\u00f6chstens \u22120,84 dBTP, ein lauter Master mit \u22122 dBTP bei h\u00f6chstens \u22120,89 dBTP. 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