{"id":20178,"date":"2026-10-16T15:40:00","date_gmt":"2026-10-16T13:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lukaswojcik.com\/blog\/?p=20178"},"modified":"2026-10-09T22:50:36","modified_gmt":"2026-10-09T20:50:36","slug":"timestretching-atempo-rubberband-10-prozent-gemessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lukaswojcik.com\/blog\/de\/music-production-de\/timestretching-atempo-rubberband-10-prozent-gemessen\/","title":{"rendered":"Timestretching um 10 Prozent mit atempo und rubberband: Timing, Transienten, Klang und Stereobild gemessen"},"content":{"rendered":"<p>ffmpeg bringt zwei Filter mit, die das Tempo \u00e4ndern und dabei die Tonh\u00f6he beibehalten. <code>atempo<\/code> ist direkt in ffmpeg implementiert und arbeitet nach dem Verfahren WSOLA: Es schneidet den Ton in \u00fcberlappende St\u00fccke und verschiebt jedes St\u00fcck so, dass es m\u00f6glichst genau an das vorherige anschlie\u00dft. <code>rubberband<\/code> reicht den Ton an die Rubber Band Library weiter, die im Frequenzbereich arbeitet und an Transienten eigene Regeln anwendet.<\/p>\n<p>Gemessen wurde bei Tempo 0,9 und 1,1, also bei der Dehnung, die aus einem Titel mit 120 BPM einen mit 108 oder 132 BPM macht. Untersucht wurden die Auswirkungen auf vier Eigenschaften des Signals: Timing, einzelne Schl\u00e4ge, T\u00f6ne und Stereobild. Welches Verfahren besser klingt, war nicht Gegenstand der Messung.<\/p>\n<figure class=\"lw-diagram\">\n<img src=\"https:\/\/www.lukaswojcik.com\/blog\/wp-content\/uploads\/diagrams\/timestretching-de.png\" width=\"1120\" height=\"580\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\"\n     alt=\"Diagramm aus zwei Teilen. Links die H\u00fcllkurve eines Snare-Schlags nach der Dehnung auf Tempo 0,9, von 40 ms vor bis 60 ms nach der Sollage: das Original steigt bei null senkrecht an, atempo setzt einige Millisekunden zu fr\u00fch ein, beide Einstellungen von rubberband steigen schon ab etwa 30 ms vorher langsam an. Rechts der St\u00f6ranteil zwischen den Obert\u00f6nen eines S\u00e4gezahns \u00fcber dem Original f\u00fcr die Grundt\u00f6ne 55, 110, 220 und 440 Hz: atempo mit 40 dB bei 55 Hz und 1 bis 11 dB bei den h\u00f6heren T\u00f6nen, die Vorgabe von rubberband mit 29 bis 41 dB, transients=smooth mit 4 bis 26 dB. Darunter vier Kennzahlen\"><figcaption>Wo ein Schlag nach der Dehnung landet, und was zwischen den Obert\u00f6nen eines S\u00e4gezahns entsteht.<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Wie gemessen wurde<\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Verfahren:<\/strong> ffmpeg 7.1.5 mit Rubber Band Library 3.3.0, 44,1 kHz, Ausgabe in 32 Bit Gleitkomma. <code>atempo<\/code> und <code>rubberband<\/code> in der Vorgabe, dazu <code>rubberband<\/code> mit <code>transients=mixed<\/code>, <code>transients=smooth<\/code>, <code>window=long<\/code> und <code>channels=together<\/code>.<\/li>\n<li><strong>Zeit:<\/strong> 20 kurze Klicks aus je 2 ms eines 3-kHz-Tons im Abstand von 0,5 s. Gemessen wurden die L\u00e4nge der Ausgabe, die Lage jedes Klicks gegen die Sollage und ob alle Klicks ankommen.<\/li>\n<li><strong>Schl\u00e4ge:<\/strong> 12 einzelne Kicks und Snares im Abstand von gut einer Sekunde, jeder um 37 ms weiter gegen das Raster verschoben, damit er andere Stellen der Fenster trifft. Ausgewertet wurde eine H\u00fcllkurve aus 3 ms RMS: der Zeitpunkt, an dem sie die halbe Spitze erreicht, und ihr Pegel 10 und 20 ms davor.<\/li>\n<li><strong>T\u00f6ne:<\/strong> reine Sinust\u00f6ne bei 110, 440 und 1760 Hz und S\u00e4gez\u00e4hne bei 55, 110, 220 und 440 Hz, je 5 s, gedehnt mit den Tempi 0,9, 0,95, 1,05 und 1,1. Beim Sinus z\u00e4hlt, wie tief der Pegel in 10-ms-Fenstern unter seinen Mittelwert f\u00e4llt. Beim S\u00e4gezahn z\u00e4hlt die Energie zwischen den Obert\u00f6nen, bezogen auf die gesamte Energie und verglichen mit dem unbearbeiteten S\u00e4gezahn.<\/li>\n<li><strong>Mix:<\/strong> 16 s Stereo aus Kick, Snare, Hi-Hats, Bass, Fl\u00e4che und Lead. Gemessen wurden die Korrelation der beiden Kan\u00e4le, der Pegel und die Rechenzeit, von dieser der k\u00fcrzeste von drei L\u00e4ufen.<\/li>\n<li><strong>Gegenproben:<\/strong> Die erste Z\u00e4hlung von Doppelschl\u00e4gen fand schon im unbearbeiteten Schlag 10 bis 13 Eins\u00e4tze, weil eine H\u00fcllkurve aus 0,25 ms den Schwingungen des Kicks folgt; gez\u00e4hlt wird deshalb auf 3 ms und immer mit dem Original daneben. Der erste Lauf mit nur einem S\u00e4gezahn bei 110 Hz lie\u00df <code>atempo<\/code> sauber erscheinen, die Reihe \u00fcber vier Grundt\u00f6ne zeigt, dass das eine Ausnahme war.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Zeit: rubberband trifft sie, atempo verschiebt einzelne Schl\u00e4ge<\/h2>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Verfahren<\/th>\n<th>L\u00e4nge gegen Soll, 0,9 \/ 1,1<\/th>\n<th>Versatz im Mittel, 0,9 \/ 1,1<\/th>\n<th>gr\u00f6\u00dfter Zeitfehler je Schlag, 0,9 \/ 1,1<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td><code>atempo<\/code><\/td>\n<td>\u221226,6 \/ \u221220,7 ms<\/td>\n<td>\u221215,2 \/ \u221219,9 ms<\/td>\n<td>10,84 \/ 8,37 ms<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, Vorgabe (crisp)<\/td>\n<td>0,0 \/ 0,0 ms<\/td>\n<td>\u22123,7 \/ +3,0 ms<\/td>\n<td>0,37 \/ 0,47 ms<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, transients=mixed<\/td>\n<td>0,0 \/ 0,0 ms<\/td>\n<td>\u22123,7 \/ +3,0 ms<\/td>\n<td>1,52 \/ 2,00 ms<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, transients=smooth<\/td>\n<td>0,0 \/ 0,0 ms<\/td>\n<td>\u22124,2 \/ +3,7 ms<\/td>\n<td>0,46 \/ 0,62 ms<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, window=long<\/td>\n<td>0,0 \/ 0,0 ms<\/td>\n<td>\u22127,3 \/ +5,7 ms<\/td>\n<td>0,75 \/ 0,61 ms<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, channels=together<\/td>\n<td>0,0 \/ 0,0 ms<\/td>\n<td>\u22123,6 \/ +3,0 ms<\/td>\n<td>0,41 \/ 0,48 ms<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Ein negativer Wert hei\u00dft fr\u00fcher oder k\u00fcrzer als gefordert. Alle 20 Klicks kamen bei jedem Verfahren an. <code>rubberband<\/code> lieferte die L\u00e4nge auf den Abtastwert genau und setzte jeden Schlag in der Vorgabe, mit <code>smooth<\/code> und mit <code>together<\/code> innerhalb von 0,62 ms an seinen Platz, mit <code>window=long<\/code> innerhalb von 0,75 ms und mit <code>mixed<\/code> innerhalb von 2,00 ms. Das war nicht selbstverst\u00e4ndlich: Der Filter startet die Bibliothek im Echtzeitmodus, und dort findet laut ihrer Dokumentation am Anfang des Signals keine Verz\u00f6gerungs- oder Latenzkorrektur statt. \u00dcbrig blieb ein Versatz von 3,0 bis 7,3 ms, der mit der Richtung der Dehnung das Vorzeichen wechselt.<\/p>\n<p><code>atempo<\/code> setzte die ganze Ausgabe 15 bis 20 ms zu fr\u00fch an und lieferte sie 21 bis 27 ms zu kurz. F\u00fcr das Timing wiegt der wechselnde Fehler schwerer: Er war von Schlag zu Schlag verschieden und erreichte bei Tempo 0,9 bis 10,84 ms, bei 1,1 bis 8,37 ms. Das Verfahren schneidet den Ton in Fenster von 2048 Abtastwerten, bei 44,1 kHz also 46,4 ms. Jedes Fenster wird dort angesetzt, wo es am besten zum vorherigen passt. Ein Schlag innerhalb dieses Fensters wird dabei mitverschoben.<\/p>\n<h2>Transienten: rubberband baut vor dem Schlag eine Rampe auf<\/h2>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Verfahren<\/th>\n<th>Spitze Kick, 0,9 \/ 1,1<\/th>\n<th>Spitze Snare, 0,9 \/ 1,1<\/th>\n<th>Pegel 10 ms vorher, 0,9 \/ 1,1<\/th>\n<th>Pegel 20 ms vorher, 0,9 \/ 1,1<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td><code>atempo<\/code><\/td>\n<td>\u22120,11 \/ \u22120,20 dB<\/td>\n<td>\u22120,24 \/ \u22120,06 dB<\/td>\n<td>\u221224,8 \/ \u221239,6 dB<\/td>\n<td>keiner<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, Vorgabe (crisp)<\/td>\n<td>\u22121,43 \/ \u22120,67 dB<\/td>\n<td>\u22121,99 \/ \u22121,75 dB<\/td>\n<td>\u221222,8 \/ \u221216,3 dB<\/td>\n<td>\u221235,9 \/ \u221229,3 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, transients=mixed<\/td>\n<td>\u22120,90 \/ \u22121,64 dB<\/td>\n<td>\u22120,54 \/ \u22121,82 dB<\/td>\n<td>\u221214,5 \/ \u221212,3 dB<\/td>\n<td>\u221225,6 \/ \u221220,6 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, transients=smooth<\/td>\n<td>\u22120,73 \/ \u22121,28 dB<\/td>\n<td>\u22120,88 \/ \u22121,60 dB<\/td>\n<td>\u221220,3 \/ \u221214,9 dB<\/td>\n<td>\u221233,1 \/ \u221230,4 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, window=long<\/td>\n<td>\u22121,15 \/ \u22121,14 dB<\/td>\n<td>\u22121,77 \/ \u22121,61 dB<\/td>\n<td>\u221214,1 \/ \u221214,7 dB<\/td>\n<td>\u221220,0 \/ \u221217,1 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, channels=together<\/td>\n<td>\u22120,93 \/ \u22121,31 dB<\/td>\n<td>\u22121,63 \/ \u22121,19 dB<\/td>\n<td>\u221221,4 \/ \u221217,9 dB<\/td>\n<td>\u221233,8 \/ \u221234,3 dB<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Pegel vor dem Schlag sind auf seine Spitze bezogen und jeweils der h\u00f6chste Wert aus zw\u00f6lf Schl\u00e4gen. Im Original ist dort Stille. Mit <code>rubberband<\/code> steigt die H\u00fcllkurve schon 30 ms vor dem Schlag aus dem Rauschen auf und erreicht 10 ms vorher \u221212,3 bis \u221222,8 dB, mit <code>window=long<\/code> stehen 20 ms vorher noch \u221217,1 dB. Der Schlag selbst verliert 0,5 bis 2,0 dB an Spitze. Das Diagramm zeigt diese Rampe bei beiden Einstellungen.<\/p>\n<p><code>atempo<\/code> hat keine Rampe; 20 ms vor dem Schlag steht nichts. Die Werte 10 ms vorher stammen von etwas anderem: Bei manchen Schl\u00e4gen setzt ein Teilst\u00fcck des Anschlags einige Millisekunden vor dem eigentlichen Einsatz an, dazwischen liegt ein Einbruch. Die Spitze bleibt dabei erhalten, auf 0,24 dB.<\/p>\n<h2>Reine T\u00f6ne: die Vorgabe von rubberband bricht ein<\/h2>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Verfahren<\/th>\n<th>Sinus 110 Hz, 0,9 \/ 1,1<\/th>\n<th>Sinus 440 Hz, 0,9 \/ 1,1<\/th>\n<th>Sinus 1760 Hz, 0,9 \/ 1,1<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td><code>atempo<\/code><\/td>\n<td>\u22120,4 \/ \u22120,4 dB<\/td>\n<td>\u22120,1 \/ \u22120,1 dB<\/td>\n<td>0,0 \/ 0,0 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, Vorgabe (crisp)<\/td>\n<td>\u22121,7 \/ \u22122,0 dB<\/td>\n<td>\u22124,4 \/ \u22127,4 dB<\/td>\n<td>\u22127,6 \/ \u221211,5 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, transients=mixed<\/td>\n<td>\u22121,7 \/ \u22122,0 dB<\/td>\n<td>\u22120,1 \/ \u22120,2 dB<\/td>\n<td>\u22127,6 \/ \u221211,5 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, transients=smooth<\/td>\n<td>\u22120,3 \/ \u22120,3 dB<\/td>\n<td>\u22120,1 \/ \u22120,1 dB<\/td>\n<td>\u22120,1 \/ \u22122,7 dB<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Zahlen geben an, wie tief der Pegel eines gleichm\u00e4\u00dfigen Tons in einem 10-ms-Fenster unter seinen Mittelwert f\u00e4llt. In der Vorgabe erkennt <code>rubberband<\/code> auch in einem reinen Sinus Transienten und setzt dort die Phasen zur\u00fcck, wie es die Dokumentation f\u00fcr die Einstellung crisp beschreibt. Das Ergebnis sind Einbr\u00fcche bis 11,5 dB, bei Tempo 0,95 und 110 Hz 10,4 dB. Bei 440 Hz schwankte die Tonh\u00f6he dabei zwischen \u22127,0 und +11,5 Cent, bei 110 Hz war im Spektrum keine saubere Linie mehr abzulesen.<\/p>\n<p><code>transients=mixed<\/code> setzt die Phasen laut Dokumentation nur au\u00dferhalb des Bereichs typischer Grundt\u00f6ne zur\u00fcck, und genau so sieht die Tabelle aus: 440 Hz bleibt ruhig, 110 und 1760 Hz brechen ein wie in der Vorgabe. <code>transients=smooth<\/code> setzt nie zur\u00fcck und h\u00e4lt den Ton bis auf einen Fall innerhalb von 0,4 dB, mit 0,0 Cent Abweichung. <code>atempo<\/code> h\u00e4lt den Pegel ebenso, verschiebt die Tonh\u00f6he aber um einen festen kleinen Betrag, bei 440 Hz um +0,4 Cent bei Tempo 0,9 und \u22120,4 Cent bei 1,1.<\/p>\n<h2>Obertonreiche T\u00f6ne: kein Verfahren bleibt bei jedem Grundton sauber<\/h2>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Verfahren, Tempo 0,9<\/th>\n<th>55 Hz<\/th>\n<th>110 Hz<\/th>\n<th>220 Hz<\/th>\n<th>440 Hz<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Original, St\u00f6ranteil absolut<\/td>\n<td>\u221250,1 dB<\/td>\n<td>\u221247,1 dB<\/td>\n<td>\u221243,9 dB<\/td>\n<td>\u221241,0 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>atempo<\/code><\/td>\n<td>+40,3 dB<\/td>\n<td>+1,4 dB<\/td>\n<td>+10,5 dB<\/td>\n<td>+3,4 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, Vorgabe (crisp)<\/td>\n<td>+40,7 dB<\/td>\n<td>+41,4 dB<\/td>\n<td>+37,2 dB<\/td>\n<td>+28,8 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, transients=mixed<\/td>\n<td>+40,8 dB<\/td>\n<td>+41,0 dB<\/td>\n<td>+24,8 dB<\/td>\n<td>+23,3 dB<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, transients=smooth<\/td>\n<td>+26,1 dB<\/td>\n<td>+4,2 dB<\/td>\n<td>+10,5 dB<\/td>\n<td>+15,3 dB<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Zeilen der Verfahren geben an, um wie viel die Energie zwischen den Obert\u00f6nen \u00fcber der des Originals liegt. Ein S\u00e4gezahn hat Obert\u00f6ne bis in den Hochton und steht f\u00fcr Bass, Fl\u00e4chen und Leads. \u00dcber alle vier Tempi reichte der Zuwachs bei <code>atempo<\/code> von 1,4 bis 40,3 dB, in der Vorgabe von <code>rubberband<\/code> von 15,4 bis 46,5 dB, mit <code>transients=smooth<\/code> von 4,2 bis 26,1 dB.<\/p>\n<p>Der Ausrei\u00dfer von <code>atempo<\/code> ist der tiefe Ton. Bei 55 Hz und Tempo 0,9 liegt der St\u00f6ranteil bei \u22129,8 dB unter der Gesamtenergie, der Pegel bricht um 5,2 dB ein, und die Tonh\u00f6he wandert bis +20,4 Cent. Eine Periode ist dort 802 Abtastwerte lang, das Fenster 2048; es findet nicht mehr zu jeder Stelle ein passendes Gegenst\u00fcck. Bei Tempo 1,1 sinkt derselbe Wert auf +10,3 dB, bei 110 Hz war <code>atempo<\/code> in allen vier Tempi innerhalb von 2,0 dB des Originals.<\/p>\n<h2>Stereobild, Pegel und Rechenzeit<\/h2>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>Verfahren<\/th>\n<th>Korrelation nachher, 0,9 \/ 1,1<\/th>\n<th>Pegel des Mix, 0,9 \/ 1,1<\/th>\n<th>schneller als Echtzeit, 0,9 \/ 1,1<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td><code>atempo<\/code><\/td>\n<td>0,922 \/ 0,919<\/td>\n<td>\u22120,03 \/ \u22120,05 dB<\/td>\n<td>26,0 \/ 18,9-fach<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, Vorgabe (crisp)<\/td>\n<td>0,894 \/ 0,903<\/td>\n<td>\u22120,55 \/ \u22120,65 dB<\/td>\n<td>6,5 \/ 6,9-fach<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, transients=mixed<\/td>\n<td>0,749 \/ 0,757<\/td>\n<td>\u22121,10 \/ \u22121,34 dB<\/td>\n<td>5,6 \/ 7,1-fach<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, transients=smooth<\/td>\n<td>0,531 \/ 0,495<\/td>\n<td>\u22122,61 \/ \u22122,95 dB<\/td>\n<td>5,0 \/ 5,5-fach<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, window=long<\/td>\n<td>0,906 \/ 0,909<\/td>\n<td>\u22120,44 \/ \u22120,71 dB<\/td>\n<td>3,7 \/ 6,2-fach<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, channels=together<\/td>\n<td>0,920 \/ 0,919<\/td>\n<td>\u22120,55 \/ \u22120,65 dB<\/td>\n<td>5,1 \/ 4,7-fach<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, smooth und together<\/td>\n<td>0,911 \/ 0,912<\/td>\n<td>\u22122,66 \/ \u22123,03 dB<\/td>\n<td>5,0 \/ 7,4-fach<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><code>rubberband<\/code>, mixed und together<\/td>\n<td>0,940 \/ 0,935<\/td>\n<td>\u22121,12 \/ \u22121,35 dB<\/td>\n<td>5,5 \/ 8,1-fach<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Vor der Dehnung lag die Korrelation bei 0,92. <code>rubberband<\/code> bearbeitet die Kan\u00e4le in der Vorgabe getrennt; laut Dokumentation f\u00fchrt das zu einem diffuseren Stereobild und weniger Monovertr\u00e4glichkeit. Mit <code>smooth<\/code> fiel die Korrelation auf 0,49, mit <code>mixed<\/code> auf 0,75. <code>channels=together<\/code> h\u00e4lt sie in jeder Kombination \u00fcber 0,91.<\/p>\n<p>Der Pegelverlust von <code>smooth<\/code> wird dadurch nicht behoben: Der Mix ist auch mit <code>together<\/code> um 2,6 bis 3,0 dB leiser. Der Verlust entsteht also innerhalb der Kan\u00e4le. Wie sich die Korrelation Deines Mixes vor und nach der Bearbeitung verh\u00e4lt, zeigt die <a href=\"https:\/\/www.lukaswojcik.com\/blog\/de\/werkzeuge\/stereo-correlation-mid-side-meter\/\">Messung von Stereo-Korrelation und Mid\/Side<\/a>.<\/p>\n<p>Auf dem Raspberry Pi 4 lief <code>atempo<\/code> 19- bis 26-mal schneller als Echtzeit, <code>rubberband<\/code> 3,7- bis 8,1-mal. Beides reicht f\u00fcr jede Datei; im Takt eines laufenden Projekts w\u00e4re der Unterschied dagegen sp\u00fcrbar.<\/p>\n<h2>Was daraus folgt<\/h2>\n<ul>\n<li><strong>F\u00fcr Schlagzeug und ganze Mixe, bei denen das Timing z\u00e4hlt:<\/strong> <code>rubberband=tempo=\u2026:channels=together<\/code>. Jeder Schlag lag innerhalb von 0,48 ms an seinem Platz, das Stereobild blieb bei 0,92. Der Preis sind die Einbr\u00fcche an gleichm\u00e4\u00dfigen T\u00f6nen und die Rampe vor jedem Schlag.<\/li>\n<li><strong>F\u00fcr Fl\u00e4chen, Gesang und gehaltene T\u00f6ne:<\/strong> <code>rubberband=tempo=\u2026:transients=smooth:channels=together<\/code>. Reine T\u00f6ne blieben fast unver\u00e4ndert, das Stereobild bei 0,91, die Obert\u00f6ne mit 4 bis 26 dB Zuwachs am wenigsten besch\u00e4digt. Der Mix wird 2,6 bis 3,0 dB leiser und geh\u00f6rt danach neu auf Lautheit gebracht.<\/li>\n<li><strong><code>atempo<\/code> dort, wo keine festen Schl\u00e4ge und keine tiefen T\u00f6ne liegen.<\/strong> Klang, Pegel und Stereobild blieben am besten erhalten, aber einzelne Schl\u00e4ge wanderten um bis zu 10,84 ms, und ein Ton von 55 Hz verlor bei Tempo 0,9 den Gro\u00dfteil seiner Sauberkeit.<\/li>\n<li><strong>Das Tempo als Faktor:<\/strong> 120 auf 132 BPM ist Tempo 1,1, 120 auf 108 BPM Tempo 0,9. Welche Verz\u00f6gerungszeiten und Notenl\u00e4ngen zum neuen Tempo geh\u00f6ren, rechnet der <a href=\"https:\/\/www.lukaswojcik.com\/blog\/de\/werkzeuge\/bpm-delay-time-calculator\/\">BPM- und Delay-Rechner<\/a> aus.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Reichweite und Grenzen<\/h2>\n<ul>\n<li>Gemessen wurden synthetische Signale, keine Aufnahmen. Stimme, akustische Instrumente und Hall wurden nicht gepr\u00fcft, und ein H\u00f6rtest war nicht Teil der Messung.<\/li>\n<li>ffmpeg bietet f\u00fcr <code>rubberband<\/code> keine Wahl des Rechenkerns an und benutzt damit den \u00e4lteren Kern R2. Laut Dokumentation liefert der Kern R3 bei den meisten Signalen bessere Ergebnisse, besonders bei komplexen Mixen, Gesang und viel Bass, braucht aber deutlich mehr Rechenleistung. \u00dcber ffmpeg ist er nicht erreichbar.<\/li>\n<li>Die Rechenzeiten gelten f\u00fcr einen Raspberry Pi 4 unter wechselnder Last; auf anderer Hardware \u00e4ndern sich die absoluten Werte.<\/li>\n<li>Die Grenzen der Auswertung, 3 ms f\u00fcr die H\u00fcllkurve und 10-ms-Fenster f\u00fcr den Pegel, bestimmen mit, wie gro\u00df ein Einbruch erscheint. K\u00fcrzere Fenster zeigen tiefere Einbr\u00fcche.<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"lw-faq\">\n<h2>Fragen und Antworten<\/h2>\n<h3>Was ist zu beachten, wenn einzelne Spuren eines Projekts getrennt gedehnt werden?<\/h3>\n<p>Vor allem, dass jede Spur dieselben Fehler bekommt, sonst verschieben sich die Spuren gegeneinander. Bei rubberband sind die Fehler berechenbar: Die L\u00e4nge stimmt auf den Abtastwert, und der verbleibende Versatz h\u00e4ngt von der Einstellung ab. Bei Tempo 0,9 lag er in der Vorgabe bei \u22123,7 ms, mit window=long bei \u22127,3 ms. Wird das Schlagzeug mit der einen und die Fl\u00e4che mit der anderen Einstellung gedehnt, liegen beide danach 3,6 ms auseinander, ein fester Betrag, der sich durch Verschieben einer Spur ausgleichen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Bei atempo geht das nicht. Der Fehler je Schlag entsteht dort, wo ein Fenster \u00fcber den Schlag f\u00e4llt, und diese Stellen h\u00e4ngen vom Signal ab. Zwei getrennt gedehnte Spuren bekommen deshalb verschiedene Fehler, die im Test bis 10,84 ms reichten, und kein fester Versatz gleicht sie aus. F\u00fcr Spuren, die zusammen im Takt bleiben m\u00fcssen, spricht das f\u00fcr rubberband mit einer gemeinsamen Einstellung oder f\u00fcr einen kurzen Klick am Anfang jeder Spur, an dem sich der tats\u00e4chliche Versatz nach dem Dehnen ablesen l\u00e4sst.<\/p>\n<h3>Hilft window=long gegen die Rampe vor dem Schlag?<\/h3>\n<p>Nein, eher im Gegenteil. Mit window=long standen 20 ms vor dem Schlag noch \u221217,1 dB, der h\u00f6chste Wert aller Einstellungen in dieser Spalte, denn ein l\u00e4ngeres Fenster verteilt Energie weiter in der Zeit. Kleiner bleibt die Rampe mit der Vorgabe, mit smooth oder mit together, die 20 ms vorher alle bei h\u00f6chstens \u221229,3 dB lagen.<\/p>\n<\/div>\n<h2>Quellen<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/ffmpeg.org\/ffmpeg-filters.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ffmpeg: Filters Documentation<\/a>: die Abschnitte zu <code>atempo<\/code> und <code>rubberband<\/code>; die Optionen und Vorgaben stammen aus der eingebauten Hilfe von ffmpeg 7.1.5.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/github.com\/FFmpeg\/FFmpeg\/blob\/release\/7.1\/libavfilter\/af_atempo.c\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FFmpeg, libavfilter\/af_atempo.c<\/a>: WSOLA als Verfahren und die Fenstergr\u00f6\u00dfe aus Abtastrate durch 24, aufgerundet auf eine Zweierpotenz.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/github.com\/FFmpeg\/FFmpeg\/blob\/release\/7.1\/libavfilter\/af_rubberband.c\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FFmpeg, libavfilter\/af_rubberband.c<\/a>: der Start der Bibliothek im Echtzeitmodus und ohne Wahl des Rechenkerns.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/breakfastquay.com\/rubberband\/code-doc\/classRubberBand_1_1RubberBandStretcher.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rubber Band Library: RubberBandStretcher<\/a>: die Kerne R2 und R3 und welcher davon voreingestellt ist, die fehlende Latenzkorrektur im Echtzeitmodus, die Einstellungen f\u00fcr Transienten, Fenster und Kan\u00e4le.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beide Timestretcher von ffmpeg liefen bei Tempo 0,9 und 1,1 \u00fcber Klicks, einzelne Schl\u00e4ge, reine und obertonreiche T\u00f6ne und einen Stereomix. rubberband h\u00e4lt in der Vorgabe jeden Schlag auf 0,47 ms an seinem Platz, baut aber vor ihm eine Rampe auf und l\u00e4sst in der Vorgabe einen reinen Ton um bis zu 11,5 dB einbrechen. atempo l\u00e4sst Klang und Stereobild in Ruhe, verschiebt einzelne Schl\u00e4ge um bis zu 10,8 ms und l\u00e4sst den St\u00f6ranteil eines Tons von 55 Hz um 40 dB steigen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":20183,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[92863],"tags":[92903],"class_list":["post-20178","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-music-production-de","tag-music-production-de"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.1 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Timestretching um 10 Prozent mit atempo und rubberband: Timing, Transienten, Klang und Stereobild gemessen | Lukas Wojcik<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Timestretching um 10 Prozent gemessen: wie weit atempo Schl\u00e4ge verschiebt und was rubberband vor ihnen, an reinen T\u00f6nen und am Stereobild anrichtet.\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" 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