LW IT Solutions
« Blog Overview /Digital Analytics / Eingefroren, nicht abgeschaltet
This post in other languages:

Eingefroren, nicht abgeschaltet

Eingefroren, nicht abgeschaltet

Auf Googles Seite zum Measurement Protocol steht seit Juni 2026 ein Hinweis, der einen ungewöhnlichen Zustand beschreibt: Die Schnittstelle habe einen ausgereiften, endgültigen Produktzustand erreicht und bleibe in Betrieb, eine Abkündigung sei nicht geplant. Für serverseitige Anbindungen wird stattdessen die Data Manager API empfohlen, bezeichnet als zentrale Grundlage künftiger Neuerungen bei der Datenaufnahme.

Übersetzt heißt das: Nichts wird abgeschaltet, und nichts kommt hinzu. Das ist keine Frist, sondern eine Weiche – und Weichen verlangen eine Entscheidung zu einem Zeitpunkt, den niemand vorgibt.

Zwei gespiegelte Naben: links eine graue Nabe mit einer einzigen Speiche zu Google Analytics, daneben zwei gestrichelte Ziele, die eine eigene Anbindung bräuchten; rechts eine blaue Nabe mit drei Speichen zu Google Ads, Google Analytics und Display und Video 360, darunter je eine Liste der Übertragungsmerkmale
Dasselbe Ereignis, zwei Wege nach draußen. Der Unterschied liegt nicht in der Nutzlast, sondern darin, wie viele Ziele eine Anfrage erreichen kann und was ihr Umschlag mitbringt.

Was der Wartungsmodus praktisch bedeutet

Eine bestehende Anbindung bleibt in Betrieb. Wer heute Bestellungen aus dem Warenwirtschaftssystem oder Abschlüsse aus dem Kundenverwaltungssystem an GA4 nachreicht, muss nichts anfassen, und es gibt kein Datum, an dem etwas aufhört zu funktionieren.

Was aufhört, ist die Weiterentwicklung. Jede künftige Möglichkeit bei der serverseitigen Datenaufnahme entsteht in der neuen Schnittstelle. Ein Aufbau, der auf dem Measurement Protocol steht, altert also nicht dadurch, dass er kaputtgeht, sondern dadurch, dass die Umgebung um ihn herum Fähigkeiten bekommt, die er nicht abrufen kann.

Die drei Unterschiede, die zählen

Der erste ist die Anmeldung. Das Measurement Protocol arbeitet mit einem api_secret, das in der Abfrage mitgeschickt wird – ein langlebiges Geheimnis in einer Zeichenkette, das in Protokollen landet und selten gewechselt wird. Die Data Manager API verlangt OAuth 2.0 mit dem Bereich datamanager. Damit fällt das gemeinsame Geheimnis weg, und die Berechtigung lässt sich an ein Dienstkonto binden und einzeln entziehen.

Der zweite ist die Reichweite einer Anfrage. Das Measurement Protocol spricht mit Google Analytics. Für Google Ads oder Display & Video 360 braucht es eine andere Schnittstelle mit eigenem Schema, eigener Anmeldung und eigener Fehlerbehandlung. Die Data Manager API führt diese Ziele unter einem Datenmodell zusammen; ein Ereignis kann in einer Anfrage an mehrere davon gehen.

Der dritte betrifft die Kennungen. Die neue Schnittstelle unterstützt bis zu zehn Nutzerkennungen je Datensatz und eine Verschlüsselung mit XChaCha20-Poly1305, deren Schlüsselverwaltung in Google Cloud oder in AWS liegen kann. Für abgeglichene Daten heißt das, dass die Kennung den eigenen Bereich verschlüsselt verlässt statt nur gehasht.

Dieselbe Aufgabe, zwei Wege

  Measurement Protocol
    POST /mp/collect?measurement_id=G-…&api_secret=…
    ein Endpunkt, ein Ziel, Geheimnis in der Abfrage
    Kennungen im Klartext oder gehasht

  Data Manager API
    REST oder gRPC, OAuth 2.0, Bereich "datamanager"
    ein Aufruf, mehrere Google-Ziele
    bis zu 10 Kennungen je Datensatz, XChaCha20-Poly1305

  Zugang: derzeit ueber eine Freischaltliste

Was gegen einen sofortigen Wechsel spricht

Der Zugang zur Data Manager API läuft über eine Freischaltliste. Damit ist der Umstieg für einen Teil der Anwender gar keine Entscheidung, sondern eine Warteschlange, und ein Plan, der auf einem noch nicht erteilten Zugang aufbaut, ist kein Plan.

Dazu kommt der Aufwand, der bei jedem Schnittstellenwechsel unterschätzt wird: OAuth verlangt ein Dienstkonto, eine Schlüsselverwaltung und einen Weg, abgelaufene Berechtigungen zu bemerken, bevor drei Tage Abschlüsse fehlen. Ein api_secret in einer Umgebungsvariablen hat diese Anforderungen nicht – das ist zugleich seine Schwäche und der Grund, warum die bestehende Anbindung so wenig Pflege braucht.

Wann sich der Wechsel rechnet

Drei Fälle sprechen klar dafür. Der erste ist eine geplante zweite Anbindung: Wer ohnehin gerade Abschlüsse auch an Google Ads liefern will, baut sonst eine zweite Integration neben der ersten und pflegt danach zwei. Der zweite ist der Umgang mit Personenbezug – wo Kennungen das Haus verlassen, ist eine Verschlüsselung mit eigener Schlüsselverwaltung ein anderes Gespräch mit der Datenschutzabteilung als ein Streuwert. Der dritte ist ein Neubau, denn eine Anbindung, die es noch nicht gibt, auf einer eingefrorenen Schnittstelle zu beginnen, kostet dieselbe Arbeit zweimal.

Wo keiner dieser Fälle vorliegt, ist Abwarten vertretbar und sogar naheliegend. Der Hinweis auf Googles Seite ist kein Countdown. Er ist die Auskunft, dass die eine Schnittstelle fertig ist und die andere weitergebaut wird, und diese Auskunft ändert sich nicht dadurch, dass man sie ein halbes Jahr später liest.

Lukas Wojcik

Lukas Wojcik

Systems architect and technology enthusiast specializing in scalable tracking solutions, GMP Stack (GA4 & GTM), and robust backend architectures. Advocate for clean code and privacy-first design.

Get in Touch

Briefly describe your project or inquiry for a tailored response. This site is protected by reCAPTCHA.

ALL ARTICLES & CATEGORIES

CCTV

Diese Rubrik per RSS verfolgen

Data Privacy

Diese Rubrik per RSS verfolgen

Digital Analytics

Diese Rubrik per RSS verfolgen

Digital Marketing

Diese Rubrik per RSS verfolgen

IT & Networks

Diese Rubrik per RSS verfolgen

Raspberry Pi

Diese Rubrik per RSS verfolgen

Smart Home

Diese Rubrik per RSS verfolgen

Web Entwicklung

Diese Rubrik per RSS verfolgen

Wordpress Hacks

Diese Rubrik per RSS verfolgen