Der KI-Kanal erfasst nur die kleinere Hälfte
Seit dem 13. Mai 2026 erkennt Google Analytics Verkehr aus KI-Assistenten von allein, seit dem 7. Juni steht der Kanal „AI Assistant“ in der Standard-Kanalgruppe der Properties. Das Medium wird zu ai-assistant, die Kampagne zu (ai-assistant), und dafür ist keine Einstellung nötig.
Den Kanal gibt es, und die Zahl darin stimmt. Vorsicht verlangt der Satz, der üblicherweise darauf gebaut wird – so viel Verkehr komme also aus KI-Assistenten. Das ist es nicht; es ist der Anteil dieses Verkehrs, der mit einem Referrer ankam.

Drei Wege, auf denen ein Besuch den Kanal verfehlt
In den Kanal gelangt eine Sitzung nur, wenn sie einen Referrer trägt und dieser auf Googles Liste steht. Jede Hälfte dieser Bedingung fällt auf ihre eigene Weise aus, und es gibt einen dritten Ausfall, der mit beiden nichts zu tun hat.
| Wo es landet | Warum | Was sich noch tun lässt |
|---|---|---|
| AI Assistant | Referrer vorhanden und erkannt | Nichts nötig, es ist bereits gezählt |
| Referral | Referrer vorhanden, Quelle nicht auf der Liste | Eine eigene Kanalgruppe oberhalb von Referral fängt es |
| Direct | Gar kein Referrer gesendet | Eingrenzen ja, zuordnen nie |
Die mittlere Zeile verdient einen Augenblick. Google nennt ChatGPT, Gemini und Claude als Beispiele und hat die vollständige Liste der erkannten Quellen nicht veröffentlicht. Ein Assistent, der nicht darauf steht, erzeugt eine gewöhnliche Empfehlung, im Bericht nicht von einem Verweis aus irgendeinem Blog zu unterscheiden – und Abwarten hilft nicht, denn die Liste gehört Google, nicht der Property.
Wie groß der fehlende Teil ist
Die veröffentlichten Zahlen widersprechen einander, und die ehrliche Zusammenfassung ist eine Spanne statt eines Werts. Eine Auswertung von rund 446.000 Besuchen setzte den Anteil ohne Referrer bei 70,6 Prozent an; andere Berichte legen ihn zwischen ein Drittel und zwei Drittel. Alle stammen von Anbietern und betreffen einzelne Auftritte, keine ist eine Messung des Netzes, und der Abstand zwischen ihnen ist selbst schon ein Befund.
Worin sie übereinstimmen, ist die Richtung: Der anonym ankommende Teil ist kein Rundungsfehler. Zwei Verhaltensweisen erzeugen ihn. Apps und eingebaute Browser senden häufig überhaupt keinen Referrer, und ein aus einer Antwort kopierter und in die Adresszeile eingefügter Verweis hatte nie einen zu senden. Beides ist kein Mangel der Messeinrichtung, und beides lässt sich vom empfangenden Ende aus nicht beheben.
Den Direktzugriff eingrenzen
Im Direktzugriff stecken zwei Gruppen, die kein Referrer trennt: getippte Adressen und eingefügte Verweise. Statistisch sind sie trotzdem auseinanderzuhalten, weil sie sich beim Ankommen unterschiedlich verhalten. Eine getippte Adresse führt fast immer auf die Startseite oder einen gemerkten Bereich; ein eingefügter Verweis aus einer Antwort führt meist auf einen bestimmten Artikel mehrere Ebenen tief, und meist ist es ein erster Besuch.
WITH sitzungen AS (
SELECT
CONCAT(user_pseudo_id, (SELECT value.int_value FROM UNNEST(event_params)
WHERE key = 'ga_session_id')) AS sitzung,
MAX((SELECT value.string_value FROM UNNEST(event_params)
WHERE key = 'page_referrer')) AS referrer,
MIN((SELECT value.string_value FROM UNNEST(event_params)
WHERE key = 'page_location')) AS einstieg
FROM `projekt.analytics_123456789.events_*`
WHERE _TABLE_SUFFIX BETWEEN '20260701' AND '20260731'
GROUP BY sitzung
)
SELECT
referrer IS NULL AS ohne_referrer,
REGEXP_CONTAINS(einstieg, r'/[^/]+/[^/]+/') AS tiefer_einstieg,
COUNT(*) AS sitzungen
FROM sitzungen
GROUP BY 1, 2
ORDER BY 1 DESC, 2 DESC
Die Zelle ohne Referrer mit tiefem Einstieg ist die Obergrenze für eingefügte Ankünfte. Sie ist eine Obergrenze und sonst nichts – ein Lesezeichen auf eine tiefe Seite fällt ebenfalls hinein -, aber diese eine Zelle über Monate zu beobachten sagt weit mehr als der Kanal, denn sie bewegt sich, wenn sich die unsichtbare Hälfte bewegt, und der Kanal tut das nicht.
Warum die eigene Gruppe über Referral stehen muss
Kanalregeln werden der Reihe nach geprüft, und der erste Treffer gewinnt. Eine eigene Gruppe, die die nicht erkannten Assistenten aufzählt, ist wirkungslos, wenn sie unterhalb von Referral steht: Jede dieser Sitzungen trifft zuerst auf Referral und erreicht die spätere Regel nie. Dieselbe Reihenfolgenfalle kostet in Akquisitionsberichten mehr Sitzungen als jede einzelne falsch eingetragene Quelle.
Eine weitere Folge der Umstellung gehört hierher: Die Einordnung wirkt nur nach vorn. Sitzungen vor dem 13. Mai 2026 behalten den Kanal, den sie damals bekamen, und werden nicht neu zugeordnet. Jeder Vergleich über dieses Datum hinweg vergleicht also zwei verschiedene Einordnungen – ein Fall für eine Anmerkung in der Property und nicht für eine Entdeckung ein halbes Jahr später.
Was die Zahl beantwortet und was nicht
Eine Frage beantwortet der Kanal gut: ob der Verkehr aus Assistenten wächst. Eine steigende Untergrenze ist ein echtes Signal, denn an der Messung ist über den Zeitraum nichts großzügiger geworden – die erkannte Liste mag länger werden, aber der Referrer kommt an oder eben nicht.
Nicht beantwortet er, welcher Anteil der Besuche über einen Assistenten kam, und er gehört in keinen Bericht, der das nahelegt. Der belastbare Satz nennt die Grenze: So viele Sitzungen kamen von einem erkannten Assistenten, eine unbekannte und vermutlich größere Zahl kam von einem, ohne es zu sagen, und die zweite Zahl ist eingegrenzt, nicht gemessen. Ein Bericht, der das so sagt, nützt mehr als einer mit einem selbstsicheren Einzelwert – der wird nämlich korrigiert, sobald jemand nachrechnet.