Multi-WAN Failover & Policy-Based Routing in UniFi
Inhalt
Eine unterbrechungsfreie Netzwerk-Infrastruktur verlangt, Single Points of Failure am Netzwerkperimeter zu beseitigen. Das Verlassen auf eine einzige Breitbandanbindung – beispielsweise einen Glasfaseranschluss – birgt ein hohes Ausfallrisiko durch Provider-Störungen oder physische Kabelschäden. Durch die Einrichtung einer sekundären WAN-Verbindung, etwa eines 5G-/LTE-Mobilfunkmodems oder eines zweiten Breitbandanbieters, auf einem Ubiquiti UniFi Gateway (z. B. UDM-Pro, UXG-Pro, EFG oder UCG-Ultra) lassen sich ein nahtloses Failover und eine intelligente Lastenverteilung realisieren.
1. Multi-WAN-Betriebsmodi: Failover vs. Load Balancing
Die UniFi Network Application unterstützt zwei unterschiedliche Multi-WAN-Betriebsmodi für spezifische architektonische Anforderungen:
- Failover Only (Aktiv/Passiv): Der gesamte ausgehende Datenverkehr wird ausschließlich über die primäre WAN-Schnittstelle (WAN1) geleitet. Die sekundäre Schnittstelle (WAN2) verbleibt im Bereitschaftsmodus und wird erst aktiv, wenn Schwellenwerte für Paketverlust oder Latenz einen Ausfall von WAN1 signalisieren. Dieser Modus ist essenziell, wenn WAN2 auf einer volumenbegrenzten 5G-/LTE-Verbindung basiert.
- Distributed Load Balancing (Aktiv/Aktiv): Der ausgehende Datenverkehr wird anhand definierter prozentualer Gewichtungen (z. B. 80 % / 20 %) auf beide WAN-Schnittstellen verteilt. Dies maximiert den Gesamtdurchsatz beim Betrieb zweier unlimitierter Breitbandanschlüsse.
2. Schritt-für-Schritt-Konfiguration des Multi-WAN-Failovers
Für die Einrichtung eines automatisierten Failovers auf einem UniFi Gateway muss die folgende Konfigurationssequenz im UniFi Network Controller ausgeführt werden:
- Port-Zuweisung & Schnittstellen-Mapping: Unter
Settings > Internetwird der primäre Breitbandanschluss alsWAN1 (Primary)konfiguriert und der sekundäre Modemanschluss oder SFP+/RJ45-Port alsWAN2 (Secondary)zugewiesen. - Auswahl des Betriebsmodus: Im Konfigurationsfenster von
WAN2muss der Load-Balancing-Modus aufFailover Onlygestellt werden. - Verbindungsprüfung & Echo-Server-Setup: UniFi überwacht den Status der WAN-Anbindung durch kontinuierliche ICMP-Echo-Requests. Standardmäßig verweisen diese auf
ping.ubnt.com. Zur Erhöhung der Erkennungspräzision sollten unterSettings > Internet > WAN1 > Advancedbenutzerdefinierte, zuverlässige IPv4-Zieladressen als Echo-Server eingetragen werden (z. B.1.1.1.1und8.8.8.8). - Feinabstimmung der Failover-Schwellenwerte: Die Parameter für den Toleranzbereich bei Paketverlusten und das Ping-Intervall sind so zu justieren, dass bei Ausfällen schnell umgeschaltet wird, ohne bei kurzen Latenzspitzen Fehlalarme auszulösen.
3. Policy-Based Routing (Traffic Routes)
Während ein automatisiertes Failover vor Totalausfällen schützt, ermöglicht Policy-Based Routing (PBR) die gezielte Weiterleitung spezifischer lokaler Subnetze, VLANs oder Applikationen über eine definierte WAN-Schnittstelle im Normalbetrieb. Beispielsweise können datenintensive Gast-Netzwerke oder nächtliche Cloud-Backups fest über eine sekundäre DSL-Leitung geroutet werden, um die Bandbreite der Glasfaseranbindung exklusiv für VoIP- und Geschäftsanwendungen freizuhalten.
Schritt-für-Schritt-Einrichtung von Policy-Based Routing
- Aufrufen der Routing-Richtlinien: Unter
Settings > Routing > Traffic Routesmuss die OptionCreate Entryausgewählt werden. - Definition von Name und Kategorie: Vergabe einer eindeutigen Bezeichnung (z. B.
Route_Guest_VLAN_to_WAN2) und Auswahl der zutreffenden Kategorie (z. B.All Traffic,Domain NameoderIP Address). - Bestimmung der Datenquelle: Auswahl des lokalen Subnetzes, des VLANs oder der spezifischen IP-Gruppe (z. B.
VLAN 30 - Guest Network). - Zuweisung des Egress-Interfaces: Auswahl der gewünschten WAN-Schnittstelle (z. B.
WAN2) als verbindlicher Ausgangspfad. - Konfiguration des Failover-Verhaltens: Aktivierung der Option
Fallback to alternative WAN, damit der Datenverkehr auf die primäre Leitung zurückfällt, sollte der zugewiesene WAN-Port ausfallen.
4. Zusammenfassung & Mehrwert
Was sich damit erreichen lässt: Die erfolgreiche Implementierung einer hochverfügbaren, redundanten Dual-WAN-Perimeterinfrastruktur mit optimierter ICMP-Gesundheitsüberwachung sowie präzisen Policy-Based-Routing-Regeln zur granularen Datenverkehrstrennung.
Resultierender Mehrwert: Unternehmens- und Home-Office-Umgebungen erhalten eine unterbrechungsfreie Internetanbindung. Ausfälle der primären Glasfaserleitung führen innerhalb weniger Sekunden zu einem automatisierten Failover, ohne dass manuelles Umstecken von Kabeln erforderlich ist. Zudem verhindert Policy-Based Routing die Verstopfung kritischer Produktions-Subnetze und schützt volumenbeschränkte Mobilfunk-Backups vor unautorisiertem Massendatenverbrauch.