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Hardware-Resilienz im Zählerkasten: Modbus-Monitoring & Notstrom-Logik lokal in Home Assistant

Hardware-Resilienz im Zählerkasten: Modbus-Monitoring & Notstrom-Logik lokal in Home Assistant
Inhalt
  1. 1. Direkte Register-Telemetrie über Modbus RTU/TCP
  2. 2. Notstrom-Logik: Automatisierter Lastabwurf (Load Shedding)
  3. 3. Implementierung in Home Assistant (Modbus & Automatisierung)
  4. Zusammenfassung
  5. Quellen

Moderne Wechselrichter und Batteriespeichersysteme (BESS) greifen standardmäßig auf cloudbasierte Monitoring-Portale zurück. Während proprietäre Hersteller-Apps optisch ansprechende Dashboards bereitstellen, birgt die Cloud-Abhängigkeit signifikante Latenzen, API-Drosselungen und eine permanente Anfälligkeit für externe Serverausfälle. Kommt es zu einem Stromausfall im öffentlichen Netz, bricht gleichzeitig oft die Internetanbindung ab, wodurch cloudbasierte Energiesteuerungen vollständig unbrauchbar werden.

Echte technische Resilienz in der Hausinfrastruktur verlangt, die Energietelemetrie auf eine deterministische, lokal agierende Architektur umzustellen. Das direkte Auslesen von Registern über Modbus RTU/TCP in Kombination mit automatisierten Lastabwürfen in Home Assistant garantiert Reaktionszeiten im Bereich weniger Sekunden – absolut unabhängig von externen Cloud-APIs.

1. Direkte Register-Telemetrie über Modbus RTU/TCP

Modbus fungiert als industrielles serielles Protokoll für die robuste Hardware-Kommunikation. Statt entfernte Server-Endpunkte abzufragen, kann eine lokal auf einem Raspberry Pi laufende Home-Assistant-Instanz die Register von Wechselrichter und Smart Meter direkt im lokalen Netzwerk (Modbus TCP) oder über ein kabelgebundenes RS485-auf-Ethernet-Gateway (Modbus RTU over TCP) auslesen.

Telemetrie-MetrikRegister-TypAbfrageintervallSystemrelevanz
Netzspannung / StatusInput Register (3000x)1–2 SekundenSofortige Erkennung von Netzausfall & Inselbetrieb
Batterie-Ladezustand (SoC)Holding Register (4000x)5 SekundenSchwellenwertanalyse für Lastabwurf
Wechselrichter-LeistungInput Register (3000x)2 SekundenEchtzeit-Berechnung der Energiebilanz

Lokale Abfragen stellen sicher, dass kritische Betriebszustände wie Netztrennungen, maximale Entladeraten oder Überlastwarnungen ohne Zeitverzug im Event-Bus von Home Assistant registriert werden.

Schrankschema: Modbus-Abfrage zweier Wechselrichter-Register, und bei Netzausfall öffnen drei DIN-Schienen-Schütze, während die kritischen Kreise verbunden bleiben
Zwei Register genügen, um einen Ausfall zu bemerken: eines für das Netz, eines für den Ladestand. Was folgt, ist eine Hardware-Entscheidung — drei Schütze fallen ab, der Rest läuft aus der Batterie weiter.

2. Notstrom-Logik: Automatisierter Lastabwurf (Load Shedding)

Wechselt ein Wechselrichter bei Netzausfall in den Inselbetrieb (Backup-Modus), wird die verfügbare Gesamtleistung streng durch die maximalen Batterie-Entladeströme und die Spitzenleistung des Wechselrichters begrenzt. Bleiben unkritische Hochleistungsverbraucher aktiv, schaltet das System wegen Überlast ab und führt zum totalen Blackout im Gebäude.

Zur Vermeidung von Überlastabschaltungen erfordert der Zählerkasten die direkte Integration einer automatisierten Lastabwurf-Architektur. Auf der Hutschiene montierte Leistungsschütze (Industrierelais) werden vor unkritischen Stromkreisen – wie Wallboxen, Wärmepumpen, Außenbeleuchtungen oder untergeordneten Unterverteilungen – platziert. Die Ansteuerung dieser Schütze erfolgt über smarte Hutschienen-Relais, die an einzelne RCBO-Schutzschalter (FI/LS-Kombinationen) gekoppelt sind.

3. Implementierung in Home Assistant (Modbus & Automatisierung)

Die technische Realisierung basiert auf der Definition lokaler Modbus-Sensoren in der configuration.yaml und einer Auslöse-Regel, die bei Netzausfall unkritische Leistungsschütze unverzüglich abwirft.

# configuration.yaml: Lokales Modbus-TCP-Register-Polling
modbus:
  - name: "inverter_local"
    type: tcp
    host: 192.168.50.15
    port: 502
    sensors:
      - name: "Grid Status"
        address: 33000
        input_type: input
        data_type: uint16
        scan_interval: 2
      - name: "Battery SoC"
        address: 37000
        input_type: holding
        unit_of_measurement: "%"
        data_type: uint16
        scan_interval: 5
# automation.yaml: Notstrom-Lastabwurf-Logik
alias: "Emergency Grid Loss: Shed Non-Critical Loads"
trigger:
  - platform: numeric_state
    entity_id: sensor.grid_status
    below: 1 # 0 signaliert Netzausfall / Inselbetrieb
action:
  - service: switch.turn_off
    target:
      entity_id:
        - switch.contactor_ev_charger
        - switch.contactor_heat_pump
        - switch.contactor_garden_circuits
  - service: notify.persistent_notification
    data:
      title: "Netzausfall erkannt"
      message: "Inselbetrieb aktiv. Hochleistungsstromkreise über Hutschienen-Schütze abgeworfen."
mode: single

Zusammenfassung

Maximale Resilienz in der Hausinfrastruktur bedingt die kompromisslose Abkopplung von Cloud-Diensten. Das lokale Polling der Wechselrichter-Register via Modbus RTU/TCP sowie das automatisierte Abwerfen unkritischer Lasten über RCBO-gekoppelte Leistungsschütze gewährleisten einen stabilen, überlastfreien Notstrombetrieb auf rein lokaler Hardware-Ebene.

Lukas Wojcik

Lukas Wojcik

Systems architect and technology enthusiast specializing in scalable tracking solutions, GMP Stack (GA4 & GTM), and robust backend architectures. Advocate for clean code and privacy-first design.

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2 Kommentare

  1. Frank Osterloh

    Die Registertabelle mit den Abfrageintervallen ist die kompakteste Zusammenfassung, die ich zu dem Thema gefunden habe, und der Punkt mit den Schützen vor unkritischen Stromkreisen ist im Zählerkasten tatsächlich der halbe Aufwand.

    Eine Sorge habe ich bei der Automation: Der Auslöser prüft sensor.grid_status auf einen Wert unter 1. Fällt aber das RS485-Gateway mit dem Netz aus, steht der Sensor auf unavailable statt auf 0. Löst numeric_state dann überhaupt aus?

    1. Lukas Wojcik Autor

      Nein, und das ist die unangenehmere der beiden Ausfallarten.

      numeric_state vergleicht Zahlen. Ein Zustand unavailable ist keine, der Auslöser bleibt still — ausgerechnet in dem Moment, in dem die Automation gebraucht würde. Sichtbar wird das nie im Betrieb, sondern nur beim ersten echten Ausfall, weil im Test das Gateway ja weiterläuft und brav 0 meldet.

      Zwei Ergänzungen schließen die Lücke. Erstens ein zweiter Auslöser vom Typ state auf to: unavailable, mit einem for: von zehn bis dreißig Sekunden gegen kurze Aussetzer, der auf dieselbe Aktion führt. Zweitens die Versorgung des Gateways selbst: Hängt es nicht auf der Notstromseite, misst es im Inselbetrieb nichts, und die gesamte Logik steht ohne Eingangsgröße da. Beides zusammen macht aus „kein Wert“ dasselbe wie „kein Netz“ — und im Zweifel ist ein zu früh abgeworfener Wallbox-Stromkreis das billigere Ergebnis als ein Wechselrichter, der wegen Überlast abschaltet.

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