Sidechain-Kompression in FL Studio 2026: Routing, Fruity Limiter, Fruity Compressor und Peak Controller Schritt für Schritt

Inhalt
- Was Ducking an Spitze und Lautheit ändert
- Voraussetzung: Kick und Bass auf eigenen Mixer-Spuren
- Die Sidechain-Route legen
- Weg 1: Fruity Limiter im COMP-Reiter
- Weg 2: Fruity Compressor seit Version 25.2
- Weg 3: Fruity Peak Controller für beliebige Regler
- Ghost-Kick: Ducking ohne hörbares Steuersignal
- Release nach dem Tempo wählen
- Wenn das Ducking nicht greift
- Nach dem Mixdown messen
- Quellen
Kick und Bass spielen in elektronischer Musik im selben Frequenzbereich, und sie schlagen oft im selben Moment an. Treffen beide zusammen, addieren sich ihre Pegel zu einer Spitze, die am Ende der Kette ein Limiter abfangen muss, und im Tiefbass verschwimmen beide Instrumente. Sidechain-Kompression löst das, indem der Bass für die Dauer jedes Kick-Schlags leiser wird: gesteuert vom Signal der Kick, nicht vom eigenen.
FL Studio 2026 bringt dafür drei eingebaute Wege mit. Fruity Limiter hat im Kompressor-Teil einen Sidechain-Eingang, Fruity Compressor seit Version 25.2 vom 21. November 2025 ebenfalls, und Fruity Peak Controller verwandelt den Pegel der Kick in eine Steuerkurve für beliebige Regler. Die Anleitung folgt dem Online-Handbuch von Image-Line mit Stand FL Studio 2026.1.6.

Was Ducking an Spitze und Lautheit ändert
Wie viel das Absenken bringt, lässt sich messen. Für diesen Artikel entstand ein synthetisches Beispiel mit 128 BPM über 16 Takte: eine Kick aus einem Sinus, dessen Tonhöhe von 150 auf 50 Hz fällt, und ein durchgehender Bass auf 55 Hz mit zwei Obertönen. Die Pegelkurve senkt den Bass mit jedem Schlag schlagartig ab und führt ihn linear in dB zurück, wie ein Kompressor mit sehr kurzem Attack. Gemessen wurde mit dem LUFS- und True-Peak-Messgerät dieser Seite, das nach ITU-R BS.1770-5 rechnet.
| Variante | True Peak | Integrierte Lautheit | Abstand Spitze zu Lautheit (PLR) |
|---|---|---|---|
| ohne Ducking | +2,2 dBTP | −9,2 LUFS | 11,4 dB |
| 8 dB Absenkung, Release 150 ms | −0,5 dBTP | −9,8 LUFS | 9,4 dB |
| 8 dB Absenkung, Release 350 ms | −0,5 dBTP | −10,7 LUFS | 10,3 dB |
| 12 dB Absenkung, Release 150 ms | −1,2 dBTP | −9,9 LUFS | 8,7 dB |
Ohne Ducking liegt die gemeinsame Spitze von Kick und Bass bei +2,2 dBTP und damit über Vollaussteuerung. Mit 8 dB Absenkung und 150 ms Release fällt sie auf −0,5 dBTP, während die integrierte Lautheit nur um 0,6 LU sinkt. Rund 2 dB Spielraum werden frei, ohne dass der Titel merklich leiser wird. Ein längerer Release von 350 ms senkt die Spitze nicht weiter, kostet aber 1,5 LU Lautheit, weil der Bass dann drei Viertel jeder Zählzeit abgesenkt bleibt. Die Zahlen gelten für dieses Beispiel und nicht für jede Mischung; die Richtung zeigt sich aber bei jedem Material, in dem Kick und Bass gleichzeitig anschlagen.
Voraussetzung: Kick und Bass auf eigenen Mixer-Spuren
Ein Sidechain läuft in FL Studio immer von einer Mixer-Spur zu einer anderen. Kick und Bass brauchen deshalb je eine eigene Insert-Spur. Neue Instrumentenkanäle im Channel Rack gehen laut Handbuch standardmäßig auf den Master, erkennbar an der Anzeige „—“ im Routing-Feld des Kanals.
- Im Channel Rack wird der Kanal der Kick über seinen Kanalwähler markiert.
- Ein Rechtsklick auf eine freie Insert-Spur im Mixer öffnet das Kontextmenü; Channel routing › Route selected channels to this track legt den Kanal dorthin (Tastenkürzel Strg+L).
- Der Bass bekommt auf demselben Weg eine zweite Spur. Klare Spurnamen wie „Kick“ und „Bass“ zahlen sich später aus, denn der Sidechain-Wähler der Plugins listet die Spuren mit ihrem Namen auf. Umbenennen lässt sich eine Spur mit F2.
Die Sidechain-Route legen
Die Route schickt das Signal der Kick an die Bass-Spur, ohne dass es dort hörbar wird. Das Handbuch beschreibt sie als Sendung mit einem Pegel von 0 Prozent: Auf der Zielspur steht das Audio nur Plugins mit Sidechain-Eingang zur Verfügung.
- Im Mixer wird die Kick-Spur angeklickt und damit ausgewählt.
- Auf der Bass-Spur öffnet ein Rechtsklick auf den Send-Schalter unten an der Spur das Routing-Menü.
- Der Eintrag Sidechain to this track legt die Route an.
Die neue Verbindung erscheint als blasse, kontrastarme Leitung. Die Kick-Spur bleibt weiter mit dem Master verbunden und damit hörbar. Genau das unterscheidet diesen Eintrag von der Variante Sidechain to this track only, die zusätzlich den Master-Send der Kick-Spur abschaltet. Wer diese Variante für eine hörbare Kick wählt, findet die Kick danach nicht mehr im Mix. Umgekehrt wird jede bestehende Audio-Sendung zu einer reinen Sidechain-Route, sobald ihr Send-Regler auf 0 steht.
Weg 1: Fruity Limiter im COMP-Reiter
Fruity Limiter vereint Kompressor, Limiter und Gate in einem Plugin. Für den Sidechain zählt nur der Kompressor-Teil.
- Fruity Limiter kommt in einen freien Effekt-Slot der Bass-Spur; jede Mixer-Spur hat zehn davon.
- Der Reiter COMP zeigt die Kompressor-Regler.
- Ein Rechtsklick auf den Wähler SIDECHAIN listet die verfügbaren Spuren, dort wird „Kick“ ausgewählt. Ab jetzt steuert die Kick-Spur die Hüllkurve des Kompressors und nicht mehr das Signal der Bass-Spur selbst.
- THRESH muss unter die Spitzen des Steuersignals sinken und RATIO über 1:1 steigen, sonst greift der Kompressor nicht. Steht THRESH auf dem Höchstwert von 0 dB, ist die Kompressorstufe abgeschaltet.
Vier Regler formen die Hüllkurve. ATT bestimmt, wie schnell die Absenkung einsetzt; ein kurzer Wert lässt sie mit dem Anschlag der Kick beginnen. REL ist laut Handbuch der wichtigste Einfluss auf die Rückkehr des Pegels, und ein zu kleiner Wert kann den Klang verzerren. CURVE formt Attack und Release gemeinsam, von 1 für sofort bis 8 für langsam, und eignet sich nach dem Handbuch gerade für das Timing von Pump-Effekten. SUSTAIN legt fest, über wie viele Millisekunden zwischen 0 und 1000 der Eingang gemittelt wird, denn der Kompressor arbeitet mit RMS-Pegeln und der Limiter mit Spitzenpegeln.
Beim Einstellen hilft die Anzeige: In den Optionen des Plugins blendet Show analysis & gain envelopes die Hüllkurven ein, die weiße Linie zeigt die tatsächliche Pegelabsenkung. Der Limiter-Teil desselben Plugins arbeitet mit einer Look-ahead-Verzögerung, die an seinen Attack gekoppelt ist und Latenz erzeugt. Laut Handbuch ist er praktisch umgangen, wenn im Reiter LIMIT CEIL auf dem Höchstwert und ATT auf dem kleinsten Wert steht.
Weg 2: Fruity Compressor seit Version 25.2
Laut Änderungsprotokoll von Image-Line hat Fruity Compressor mit Version 25.2 vom 21. November 2025 einen Sidechain-Eingang erhalten. Die Route im Mixer bleibt dieselbe; der Wähler heißt hier Sidechain Input und wird ebenfalls per Rechtsklick auf die Kick-Spur gestellt. Das Handbuch nennt für die Regler feste Bereiche:
| Regler | Bereich | Rolle beim Ducking |
|---|---|---|
| Threshold | 0 bis −60 dB | ab welchem Pegel der Kick die Absenkung beginnt |
| Ratio | 0,4:1 bis 30:1 | wie stark oberhalb der Schwelle abgesenkt wird |
| Attack | 0 bis 400 ms | wie schnell die volle Absenkung erreicht ist |
| Release | 1 bis 4000 ms | wie lange der Bass zurück auf seinen Pegel braucht |
| Gain | −30 bis +30 dB | Ausgleich des Pegels nach der Kompression |
| Type (Knee) | Hard, Medium, Vintage, Soft sowie je eine Variante mit /R | Übergang an der Schwelle; die Varianten mit /R schalten TCR ein |
Beim Regler Type liegt die Falle dieses Weges. Die Varianten mit /R aktivieren TCR (Transient Controlled Release), das die Release-Zeit laufend nachführt, um schnelle Pegelsprünge zu vermeiden. Laut Handbuch verringert das „pumping and breathing“, also genau den Effekt, um den es beim Ducking geht. Für ein hörbares Pumpen ist eine Variante ohne /R die richtige Wahl. Vintage bildet nach dem Handbuch die Kennlinie analoger Geräte wie des Teletronix LA-2A nach.
Weg 3: Fruity Peak Controller für beliebige Regler
Fruity Peak Controller macht aus dem Pegelverlauf eines Signals eine Steuerkurve. Damit lässt sich nicht nur die Lautstärke des Basses absenken, sondern jeder verknüpfbare Regler steuern, etwa die Fader mehrerer Spuren oder die Grenzfrequenz eines Filters. Eine Sidechain-Route braucht dieser Weg nicht, denn die Verbindung läuft über einen Controller-Link.
- Fruity Peak Controller kommt auf die Kick-Spur, denn dort liegt das Signal, das steuern soll.
- Der Schalter MUTE unten rechts im Plugin ist ab Werk eingeschaltet und lässt kein Audio durch. Die Steuerkurve entsteht trotzdem, aber die Kick verstummt; für eine hörbare Kick gehört MUTE ausgeschaltet.
- Am Ziel, zum Beispiel dem Lautstärkefader der Bass-Spur, öffnet ein Rechtsklick den Eintrag Link to controller. Unter den internen Controllern steht Peak Ctrl – Peak, die reine Pegelsteuerung ohne LFO.
- Ein negativer Wert bei VOL, möglich sind −200 bis +200 Prozent, kehrt die Kurve um: Das Ziel sinkt mit jedem Schlag, statt zu steigen. BASE legt den Ruhewert fest, DECAY die Zeit bis zur Rückkehr dorthin und TENSION die Form der Kurve.
Das Handbuch nennt eine Grenze, die beim Einrichten leicht übersehen wird: Der Peak Controller wertet nur Eingangssignale oberhalb von −50 dB aus. Der Fader der Kick-Spur spielt dabei keine Rolle, weil er in FL Studio erst hinter den Effekten sitzt. Entscheidend ist der Pegel, mit dem die Kick in die Spur hineinkommt, etwa über die Lautstärke des Kanals im Channel Rack.
Ghost-Kick: Ducking ohne hörbares Steuersignal
Manchmal soll der Bass pumpen, wo gar keine Kick zu hören ist, etwa in einem Breakdown, oder das Steuersignal soll einem anderen Muster folgen als die hörbare Kick. Dafür bekommt ein eigener Kanal mit einem kurzen Kick-Sample eine eigene Mixer-Spur, und die Route zur Bass-Spur entsteht mit Sidechain to this track only. Hier ist der Zusatz „only“ genau richtig: Der Master-Send dieser Spur wird abgeschaltet, das Steuersignal bleibt unhörbar und wirkt trotzdem auf den Kompressor.
Release nach dem Tempo wählen
Liegt die Kick auf jeder Zählzeit, beträgt der Abstand zwischen zwei Schlägen eine Viertelnote, in Millisekunden also 60 000 geteilt durch das Tempo. Endet der Release deutlich vor dem nächsten Schlag, kommt der Bass jedes Mal auf seinen vollen Pegel zurück. Das Messbeispiel oben zeigt, was ein zu langer Release an Lautheit kostet.
| Tempo | Viertelnote | Achtelnote | Sechzehntelnote |
|---|---|---|---|
| 90 BPM | 667 ms | 333 ms | 167 ms |
| 100 BPM | 600 ms | 300 ms | 150 ms |
| 120 BPM | 500 ms | 250 ms | 125 ms |
| 128 BPM | 469 ms | 234 ms | 117 ms |
| 140 BPM | 429 ms | 214 ms | 107 ms |
| 150 BPM | 400 ms | 200 ms | 100 ms |
| 174 BPM | 345 ms | 172 ms | 86 ms |
Andere Tempi, punktierte und triolische Werte sowie Frequenzen in Hz und Längen in Samples liefert der BPM-Delay-Rechner, der auch ein getipptes Tempo übernimmt.
Wenn das Ducking nicht greift
| Beobachtung | Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Der Sidechain-Wähler bietet keine Spur an | Zur Spur des Plugins führt noch keine Sidechain-Route; laut Handbuch erscheinen Spuren erst danach, außer auf dem Master | Route im Mixer anlegen |
| Kein hörbares Ducking | THRESH liegt über den Spitzen der Kick, oder RATIO steht auf 1:1 | Schwelle senken, Ratio erhöhen |
| Die Kick fehlt nach dem Einrichten | Route mit „only“ angelegt, der Master-Send der Kick-Spur ist aus | Master-Send wieder einschalten oder die Route ohne „only“ anlegen |
| Knacksen oder Verzerrung | Release zu kurz | REL beziehungsweise Release verlängern |
| Fruity Compressor pumpt kaum | Type mit /R gewählt, TCR glättet die Release-Zeit | Variante ohne /R wählen |
| Die Kick verstummt nach dem Laden des Peak Controllers | MUTE ist ab Werk eingeschaltet | MUTE ausschalten |
| Der Peak Controller bewegt nichts | Eingang unter −50 dB, VOL auf 0 oder Link auf „Peak Ctrl – LFO“ | Eingangspegel anheben, VOL negativ stellen, Link auf „Peak Ctrl – Peak“ |
Nach dem Mixdown messen
Ducking verändert Spitze und Lautheit des ganzen Titels, wie das Beispiel zeigt. Vor dem Mastern oder dem Hochladen lohnt deshalb eine Messung des Exports: Das LUFS- und True-Peak-Messgerät liest WAV- und AIFF-Dateien direkt im Browser, zeigt integrierte Lautheit, True Peak und Lautheitsumfang und rechnet nach, wie Spotify den Titel normalisieren würde. Die Datei verlässt dabei das Gerät nicht.
Welcher der drei Wege passt, hängt am Ziel. Fruity Limiter und Fruity Compressor senken den Bass als echter Kompressor ab und teilen sich dieselbe Route im Mixer; wer die Route einmal sauber angelegt hat, kann zwischen beiden Plugins wechseln, ohne am Routing etwas zu ändern. Fruity Peak Controller ist der beweglichste Weg, weil er statt eines Kompressors beliebige Regler steuert, braucht dafür aber mehr Einstellarbeit an Basis, Tiefe und Abklingzeit.