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Was 2026 mit Native Instruments passiert ist: Insolvenz, Übernahme durch inMusic und Aufteilung der Marken

Was 2026 mit Native Instruments passiert ist: Insolvenz, Übernahme durch inMusic und Aufteilung der Marken
Inhalt
  1. 2021 bis 2023: vier Marken unter einem Dach
  2. Dezember 2025: eine freigegebene Übernahme
  3. Januar bis März 2026: das Insolvenzverfahren
  4. Mai bis Juli 2026: Verkauf an inMusic und Aufteilung
  5. Juli bis September 2026: Umbau unter inMusic
  6. Was das für Lizenzen, Libraries und Hardware bedeutet
  7. Einordnung
  8. Quellen

Kontakt, Komplete, Maschine und Traktor gehören zu den verbreitetsten Werkzeugen der Musikproduktion. Bis Mitte 2026 stand dahinter eine Gruppe, zu der auch iZotope, Plugin Alliance und Brainworx gehörten. Innerhalb von sechs Monaten beantragte Native Instruments ein Insolvenzverfahren und wurde an inMusic verkauft, und die drei Marken, die 2021 und 2022 dazugekommen waren, gingen an andere Käufer.

Der Ablauf ergibt sich aus den Mitteilungen von Native Instruments, inMusic, Boris FX und Plugin Alliance, aus der Fusionsakte der EU-Kommission und aus dem britischen Unternehmensregister. Stand ist der 17. September 2026. Was nur aus Berichten mit anonymen Quellen stammt, ist als solches gekennzeichnet.

Zeitleiste von Native Instruments: links die Jahre 2021 bis 2025 vom Einstieg von Francisco Partners bis zur EU-Freigabe einer Übernahme, rechts die Ereignisse 2026 vom Insolvenzantrag bis zu Kontakt 8.13, unten vier Kacheln mit den neuen Eigentümern von Native Instruments, iZotope, Plugin Alliance und Brainworx
Native Instruments von 2021 bis 2026 und wohin die vier Marken gingen.

2021 bis 2023: vier Marken unter einem Dach

Im Januar 2021 stieg der Finanzinvestor Francisco Partners bei Native Instruments ein. Im März desselben Jahres kündigte er an, Native Instruments und iZotope zu einer Gruppe zusammenzuführen, die Constantin Köhncke und Mark Ethier, die Chefs der beiden Firmen, gemeinsam leiteten. Im April 2022 kaufte die Gruppe Plugin Alliance und Brainworx und gab sich den Namen Soundwide. Die Gruppe nannte damals mehr als 600 Beschäftigte und rund 10 Millionen Nutzer.

Ohne Einschnitte blieb der Zusammenschluss nicht. Im Januar 2023 strich Soundwide 8 Prozent der Stellen weltweit; Firmenchef Rob Singer begründete das mit schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen. Im Juni 2023 gab die Gruppe den Namen Soundwide wieder auf, weil er in der Community kaum bekannt war, und iZotope, Brainworx und Plugin Alliance wurden Teil von Native Instruments.

Dezember 2025: eine freigegebene Übernahme

Am 4. Dezember 2025 gab die EU-Kommission eine Übernahme frei: Fonds von Bridgepoint und Bain Capital Credit sollten gemeinsam die indirekte Kontrolle über die Native Instruments Group GmbH erwerben. In der Anmeldung beschreibt sich Bain Capital Credit als globaler Kreditspezialist, Bridgepoint als Investor in Private Equity, Infrastruktur und Private Credit. Laut Fachpresse wurde diese Übernahme nicht vollzogen. Knapp acht Wochen nach der Freigabe folgte der Insolvenzantrag. Einen Grund dafür hat Native Instruments öffentlich nicht genannt.

Januar bis März 2026: das Insolvenzverfahren

Am 27. Januar 2026 beantragte Native Instruments beim Amtsgericht Charlottenburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, und das Gericht bestellte Prof. Dr. Torsten Martini zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Das vorläufige Verfahren dient nach § 21 der Insolvenzordnung dazu, bis zur Entscheidung über den Antrag nachteilige Veränderungen im Vermögen zu verhindern. Der Betrieb läuft dabei weiter; das Gericht kann anordnen, dass Verfügungen des Unternehmens nur mit Zustimmung des vorläufigen Verwalters wirksam sind.

Zwei Tage nach dem Antrag erklärte Firmenchef Nick Williams, betroffen seien die Native Instruments GmbH und drei deutsche Holdinggesellschaften ohne eigenen Geschäftsbetrieb. Bei Native Instruments, iZotope, Plugin Alliance und Brainworx laufe das Geschäft weiter: Hard- und Software blieben im Verkauf und ließen sich weiter herunterladen und aktivieren. Auch das NKS-Partnerteam bearbeite weiterhin Lizenzen für den Kontakt Player und Einreichungen von NKS-Partnern. Das betrifft die vielen Hersteller, die eigene Libraries für den kostenlosen Kontakt Player verkaufen. Plugin Alliance hatte bereits am 28. Januar klargestellt, dass die eigenen Betreibergesellschaften nicht Teil des Antrags sind.

Am 19. März kündigte Williams an, dass die Native Instruments GmbH und weitere deutsche Gesellschaften vom vorläufigen in das reguläre Insolvenzverfahren übergehen, soweit das nötig ist. Gleichzeitig suche das Unternehmen neue Gesellschafter, und mehrere Parteien aus der Audio- und Technologiebranche hätten starkes Interesse.

Mai bis Juli 2026: Verkauf an inMusic und Aufteilung

Am 8. Mai 2026 unterzeichnete inMusic einen verbindlichen Vertrag über die Übernahme von Native Instruments. Zu inMusic gehören unter anderem Akai Professional, Moog Music, Denon DJ, Numark, Rane, M-Audio, Alesis und Engine DJ. Native Instruments brachte laut der Mitteilung eine direkte Beziehung zu mehr als 25 Millionen registrierten Nutzern ein, und inMusic-Chef Jack O’Donnell versprach, dass die heute genutzten Werkzeuge weiter funktionieren. Fremd waren sich die Firmen nicht: Seit der NAMM-Messe im Januar 2025 unterstützen die Controller der Serie MPK Mini von Akai Professional und die Keyboards der Serie Oxygen von M-Audio den NKS-Standard von Native Instruments, und für die MPC-Plattform von Akai erschienen fünf Expansions und fünf Instrumente von Native Instruments.

Abgeschlossen war die Übernahme am 30. Juni 2026. In den gut zwei Wochen danach wurde der Verbund von 2022 aufgeteilt:

  • iZotope mit RX, Ozone, Neutron und Nectar gehört seit dem 2. Juli 2026 zu Boris FX, einem Hersteller von Software für die Postproduktion. Laut Boris FX war der Kauf mit der Übernahme durch inMusic abgestimmt; iZotope arbeitet als eigene Geschäftseinheit mit seinen Entwicklungs-, Produkt- und Supportteams weiter.
  • Plugin Alliance und Brainworx gehören seit dem 15. Juli 2026 wieder ihrem Gründer Dirk Ulrich. Beide sind jetzt Teil seiner Holding RCKFRC, zu der bereits Apogee und Manley gehören.

Bei inMusic bleibt Native Instruments mit Kontakt, Komplete, Komplete Kontrol, Maschine, Reaktor und Traktor.

Juli bis September 2026: Umbau unter inMusic

Mitte Juli berichtete Synth Anatomy, später auch MusicTech, von rund 100 Entlassungen in fast allen Abteilungen. Die Berichte stützen sich auf anonyme ehemalige Beschäftigte und einen Reddit-Beitrag. Demnach wurde auch der gesamte Kundensupport von Native Instruments aufgelöst und in den Support von inMusic überführt. Native Instruments wollte sich gegenüber MusicTech nicht äußern, eine offizielle Zahl gibt es nicht.

Belegt ist ein Wechsel an der Spitze der britischen Tochter. Im Unternehmensregister Companies House ist für die Native Instruments UK Limited vermerkt, dass Simon Cross zum 30. Juni 2026 und Nick Williams zum 29. Juli 2026 als Director ausschieden und Richard Seymour zum 1. Juli bestellt wurde, laut Gearnews Chef von inMusic Europe. Im August berichtete Gearnews von der Schließung des britischen Büros. inMusic erklärte dazu, im Zuge der Integration werde die Organisations- und Rechtsstruktur vereinfacht, einschließlich der Native Instruments UK.

Die Entwicklung geht weiter: Am 4. September 2026 erschien Kontakt 8.13 mit Verbesserungen am Navigator, Pegelanzeigen in den Instrument-Headern, einem neuen Dialog zum Speichern von Snapshots und mehreren Korrekturen.

Was das für Lizenzen, Libraries und Hardware bedeutet

Marke Eigentümer seit Zusage zu bestehenden Lizenzen
Native Instruments inMusic 30.06.2026 Produkte, Dienste, Plattformen und Kundensupport bleiben voll verfügbar
iZotope Boris FX 02.07.2026 Produkte, Lizenzen und Abonnements bleiben aktiv
Plugin Alliance RCKFRC (Dirk Ulrich) 15.07.2026 Lizenzen gültig, keine erneute Aktivierung nötig, Abonnements laufen weiter
Brainworx RCKFRC (Dirk Ulrich) 15.07.2026 Vertrieb über Plugin Alliance, dieselbe Zusage

Gekaufte Lizenzen bleiben nach allen drei Mitteilungen gültig. Verwaltet werden sie getrennt nach Eigentümer: iZotope-Produkte über das iZotope-Konto, Produkte von Plugin Alliance und Brainworx über den Installation Manager von Plugin Alliance, dessen Downloads und Aktivierungen laut Dirk Ulrich normal weiterlaufen. Für Native Instruments hat inMusic keine Änderung an Native Access angekündigt. Plugin Alliance schreibt, dass sich die Marken in den vier Jahren zuvor viele Dienste geteilt haben; wie weit diese inzwischen getrennt sind, ist von außen nicht zu erkennen.

Für Kontakt-Libraries von Drittanbietern kommt es auf das Lizenzprogramm des Kontakt Players an. Es lief während des Insolvenzverfahrens weiter, und mit Kontakt 8.13 ist unter inMusic bereits ein Update des Samplers erschienen.

Offen ist die Produktstrategie. inMusic hat mit Denon DJ, Numark, Rane und Engine DJ eigene DJ-Marken neben Traktor und mit der MPC-Reihe von Akai Professional eine eigene Groovebox-Plattform neben Maschine. Aussagen zur Zukunft dieser Linien gibt es bis zum 17. September 2026 nicht. In einer solchen Übergangsphase ist eine lokale Sicherung von Installationsdateien, Seriennummern und der Liste gekaufter Produkte sinnvoll, denn eine Neuinstallation auf einem anderen Rechner setzt die Aktivierungsdienste des Herstellers voraus.

Einordnung

Native Instruments besteht als Marke weiter, der Verbund von 2022 dagegen nicht mehr. Die Zusammenführung, die 2021 unter Francisco Partners begann, war gut zwei Wochen nach dem Verkauf rückgängig gemacht: iZotope gehört zu einem Anbieter von Postproduktions-Software, Plugin Alliance und Brainworx gehören wieder ihrem Gründer, und Kontakt, Komplete, Maschine und Traktor gehören einem Hardwarekonzern, der in mehreren dieser Kategorien eigene Produkte führt.

Für bestehende Kundschaft haben alle drei neuen Eigentümer den Weiterbetrieb zugesagt, und die Updates laufen. Welche Produkte inMusic langfristig weiterentwickelt, zusammenlegt oder einstellt, ist die eigentliche offene Frage. Beantworten werden sie erst die nächsten Produktankündigungen.

Lukas Wojcik

Lukas Wojcik

Systems architect and technology enthusiast specializing in scalable tracking solutions, GMP Stack (GA4 & GTM), and robust backend architectures. Advocate for clean code and privacy-first design.

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